Der Ninja © AVV
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Artikel vom 02.02.2020 | Heimkino->DVD

Der Ninja



... oder Ninja Thunderbolt.


Alles hat einen Anfang und mitunter nie ein Ende. Und wenn wir hier den Begriff „Anfang“ wählen und das im Zusammenhang mit Godfrey Ho und seiner "IFD Company" tun, dann ist die Rede von Der Ninja aka Ninja Thunderbolt. Jener Film, der die ganze Ninja Welle in Bewegung setzte, welche in den glorreichen 1980igern in die Videotheken schwemmte.

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Cover des Medaibook
Es ist nicht nur der erste Ninjafilm von Ho, sondern auch der erste, in dem Richard Harrison sein DEbut hatte und damit den Weg ebnete, sich als Kult-Charakter „Gordon Anderson“ in die Fanherzen der Ho´schen Ninjapolitik zu spielen. Harrison selbst hatte offenbar keinen Schimmer, auf wen er sich eingelassen hatte. Godfrey Ho nutze ein ganz spezielles „Copy and Paste“-Verfahren, dass es ihm erlaubte, eigens gedrehtes Material so oft es eben erforderlich war, mit einen anderswo geklauten Film zu kombinieren. Dies hatte zur Folge, dass er mit dieser Technik in kürzester Zeit, dutzende von Filmen auf den Markt schmeissen konnte. So wurde auch Harrison das ein oder andere mal zweckentfremdet. Richard Harrison ist zudem bis heute der Meinung , dass Godfrey Ho ihm seine Karriere durch den entstanden „Ramschfaktor“ versaut hat, was man aber durchaus auch anders sehen kann. Fakt ist, dass es Harrison auf eine recht beachtliche Anzahl von Filmen im Hause Ho gebracht hat. Somit ist Harrison fester Bestandteil der 7-teiligen Ninja Operation-Serie, welche aktuell auch von dem Vorzeige Label um Carsten Weissenberg AVV in Augenschein genommen wird und in bester Qualität für das Heimkino bedacht ist. Godfrey Ho ist aber kein 0815-Nichtskönner, sonst wäre er heute nicht Dozent an der Filmhochschule in Hong Kong und ein so ausgebuffter Geschäftsmann.

Den Takt den Ninja Thunderbolt vorgibt ist jene Marschroute, die für alle späteren Filme gelten sollen. Oftmals muss ein Taiwanesischer Film daran glauben, den man mit eigens gedrehten Material bestückte, die Synchro änderte und den Film dann als neues Gesamtpaket an das westliche Publikum verkaufen wollte, was offenbar auch immer ganz gut geklappt hat. Auch Ninja Thunderbolt hat so seine Probleme und ist vielleicht nicht der beste „Einstiegsfilm“ in das "IFD-Ninja Universum", was an den wenigen eigens gedrehten und „fremd“ verwendeten Filmszenen liegt, die Ho hier etwas plump adaptiert. Auf VHS von Pacific Video veröffentlicht, wurde der eigens auf ein Scope Format ausgerichtete Film auf ein 1,33:1 Format adaptiert. Das war noch erträglich, da der Film ansonsten auf ein karges 4:3 Format beschnitten wurde, so dass man demzufolge, gewisse Akteure an den Seitenrändern garnicht sehen konnte. Aber dank AVV erscheint der Film nun in bis dato bester Qualität erstmalig überhaupt auf DVD und das in wirklich sehr guter Optik im korrekten Bildformat. Das schicke Mediabook bietet das originale VHS Cover. Allerdings folgt in Kürze noch ein weiteres streng limitiertes Mediabook mit original Motiv.

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AVV - Anachronistisches Video Vergnügen

Ninja Thunderbolt bietet neben Richard Harrison aber noch zwei weitere echte Stars der Hong Konger Kung Fu-Szene. Yasuaki Kurata und Wang Tao, die ihrerseits keine unbekannten in der Szene waren. In den weiteren Nebenrollen zeigen sich John Ladalski und Pierre Tremblay, wobei letzterer wohl aus einer bis dato nicht verwendeten Szene aus Inferno Thunderbolt entwendet wurde.
Die eigentliche Screentime mit Richard Harrison liegt vielleicht gerade einmal bei zwei Minuten. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn der Film als solches überzeugt in erster Linie durch den recht unterhaltsamen Hauptplot. Was aber als wichtigste an Ninja Thunderbolt zu vermerken ist, sind die ganzen Attribute, die sich für weitere Produktionen Ho's auszeichneten und sich von da an immer wiederholen. An das Copy and Paste- Verfahren hat man sich als Fan schnell gewöhnt. Was natürlich später hängen bleibt, das sind die oftmals wiederkehrenden Locations, in denen sich die Protagonisten treffen oder auch kämpfen. Oftmals wurde hier der bekannte Kowloon Park in Hong Kong gewählt, der viele, viele facettenreiche Einstellungen bietet und die beim Fan einen enormen Wiedererkennungswert inne haben. Ebenso der zusammengeklaute Score, der mal von Tangerine Dream, Clan of Xymox und weiteren Dark Wave Truppen entwendet wurde und beim Fan immer wieder den ein oder anderen Film ins Gedächtnis ruft, in denen der Track bereits verwendet wurde.

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Das noch nicht erhältliche Alternativcover
Was man Ho aber immer zu Gute halten muss, dass ist sein handwerkliches Geschick, wie die Kämpfe choreografiert sind und die Hauptakteure gedoubelt werden. Grundsätzlich fängt dies schon mit dem genialen Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten an, so auch hier in Ninja Thunderbolt aka Der Ninja. Gezeigt wird grundsätzlich zuerst grob die Location, wo der Endkampf stattfindet. Dann kommt ein Schnitt auf die Füße der Kontrahenten, wie sie auf den Gegner zugehen, dann ein Schnitt auf das Gesicht und dann ein Gesamtbild, wo sich beide Kontrahenten in der Location gegenüber stehen, das mit ständigem Wechsel auf beide Gesichter der Kämpfer. Nahaufnahmen vom Schwert oder den sonstigen verwendeten Waffen inklusive, die beim Einsatz hier und da immer in Nahaufnahme gezeigt werden, insbesondere dann, wenn sie auf den Gegner geschmissen werden. Auch der Sound von Schwert und Waffen, sowie die stets akkurat sitzenden und gut aussehenden Ninja Outfits sind ein Markenzeichen IFD's.
So erlebt man in Ninja Thunderbolt zwar auch nur einen einzigen Ninja Kampf, aber der bietet sämtliche Dynamik und Facetten, die sich in weiteren Filmen später dann manifestierten. Die Location im Kowlooner Park wird unzählige male verwendet und auch der Score findet sich u.a. bei Ninja Terminator und Konsorten immer mal wieder und sorgt für ein vertraut wohliges Gefühl. Der Kampf bietet neben den gewohnt guten akrobatischen Einlagen und den Schwertkämpfen auch den Einsatz von Rauchbomben und Wurfsternen und zeigt schon hier, welche Ideen sich Godfrey Ho hier für die Folgefilme hat einfallen lassen.

Ninja Thunderbolt ist also zurecht KULT und der Anfang von etwas ganz großen gewesen, dass in keiner, in wirklicher keiner IFD-Sammlung fehlen darf. "AVV Video" hat sich dem Ganzen mit viel, viel Herzblut angenommen und weiss genau, worauf es dem geneigten Fan hier ankommt. Das informative Booklet mit sämtlichen Hintergrundinformationen zur damaligen Ninja Welle, wird mit vielen tollen Bildern und Covermotiven abgerundet und lässt keinen Grund zur Klage. Zudem enthält das Mediabook noch einen Bonus Ninjafilm.
Ninja Thunderbolt ist somit der Auftakt zu allem und so etwas wie der Grundstein des IFD Universums, welcher nun endlich auf DVD erscheint. Das verwendete Master ist der damaligen VHS meilenweit überlegen und zeigt den Film in bestmöglicher Qualität. Da aber in Zukunft zu dem bereits erschienenen Ninja Champion on Fire die erste Blu-ray eines Ninja Films von IFD vorliegt, darf man sich auf weitere, hochqualitative VÖ's aus den Hause AVV freuen, über die wir hier natürlich auch berichten werden. Denn es kommt da so einiges auf den Fan zu ... lasst euch überraschen.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
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