Der Medicus © Universal Pictures
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Artikel vom 17.02.2014 | Echtes Kino

Der Medicus



Bestseller auf der Leinwand


Das finstere europäische Mittelalter, ein junger Held, der aus den engen Banden seiner Zivilisation ausbrechen möchte, der Kampf Gut gegen Böse und der Aufbruch in eine neue Zeit – das ist der Stoff, aus dem Der Medicus nach dem gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon gemacht ist. Und offensichtlich ist diese Mixtur ein Erfolgsrezept: der Film läuft seit dem 25. Dezember 2013 in den deutschen Kinos und konnte bereits Ende Januar die Marke von 3 Millionen Zuschauern knacken.

Der Medicus © Universal Pictures
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Kinoplakat: Der Medicus

Die Handlung


Im England des frühen 11. Jahrhunderts muss der kleine Rob Cole hilflos mitansehen, wie seine Mutter ganz plötzlich an der Seitenkrankheit stirbt. Völlig auf sich allein gestellt und getrieben von dem Willen, dem Wesen der Krankheiten auf den Grund zu gehen und Menschen zu heilen, schließt sich der Junge einem fahrenden Bader an, der ihm in den folgenden Jahren die Grundlagen der Heilkunst – Zähne ziehen, Aderlass, Glieder einrenken – beibringt. Beiden kommt dabei auch Robs besondere Gabe zugute, denn er ist in der Lage, durch bloße Berührung zu erkennen, ob ein Kranker überleben oder sterben wird. Immer wieder muss Rob aber auch bei seiner Arbeit die Grenzen seines und des Baders Wissen erkennen, ein Umstand, der besonders deutlich zutage tritt als dieser zu erblinden droht. Nur ein jüdischer Medicus kann noch helfen. Beindruckt vom Wissen dieses Gelehrten erfährt Rob auch, dass es im fernen Persien, in Isfahan, einen weisen Medicus gibt, der eine bedeutende Schule leitet. In der Hoffnung, dort die Antworten auf seine drängenden Fragen zu finden, macht sich Rob auf den Weg zum großen Ibn Sina. Allerdings: als Christ wäre er in Isfahan in Lebensgefahr – und so wird aus dem Engländer Robert Cole der Jude Jesse ben Benjamin.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Dunkles Mittelalter hier – aufgeklärtes Fortschrittsdenken dort. Diese Dualität ist sowohl in der Handlung als auch in der bildlichen Darstellung klar zu erkennen. Ein dunkler Schimmer liegt über den Szenen, die sich in den schmutzigen Dörfern und Städten Europas abspielen. Blauer Himmel zeigt sich dagegen über den sauberen Straßen und Plätzen Isfahans. Und auch in den beiden Lehrmeistern zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Der Bader – oft genug ungewaschen und ungehobelt – hält selbst dann noch am Althergebrachten fest, als klar wird, dass nur noch das Neue, Unbekannte – die Weisheit des Juden – sein Augenlicht retten kann. Nur widerwillig gibt er sich in dessen Hände. Auf der anderen Seite Ibn Sina (genial: Ben Kingsley): Äußerlich durch helle, saubere Kleidung und ein fast schon von innen strahlendes Gesicht gekennzeichnet zeigt sich der hoch geschätzte Leibarzt des Shah immer neugierig und offen für neue Ideen. Selbst, als ihn eine von Rob/Jesse ben Benjamin durchgeführte Leichenöffnung in den Kerker und an den Rand des Todes bringt zeigt er sich – nach nur kurzer anfänglicher Verbitterung – interessiert an den wahren Gegebenheiten im menschlichen Körper und geht, statt der Verzweiflung anheim zu fallen, lieber der Ursache der Seitenkrankheit auf den Grund. Am Ende muss er gar feststellen, dass alles, was er über das Innenleben der Menschen zu wissen glaubte, was jahrhundertelang gelehrt wurde – falsch war. Der Forscherdrang des Weisen überwindet nicht nur die Todesangst, sondern auch die Grenzen der althergebrachten Lehre. Protagonisten und Zuschauer erkennen, dass Weisheit nicht durch das Lernen allein erlangt werden kann, dass immer auch der Forscherdrang und die Bereitschaft einen scheinbar unmöglichen Weg zu gehen und Grenzen zu überwinden unabdingbar sind.


Am Ende allerdings vollzieht der Film eine tragische Kehrtwende. Mit den Mullahs und Seldschuken bricht die Dunkelheit über Isfahan herein, Forschung, Lehre, Fortschritt werden verteufelt und durch religiösen Eifer ersetzt. In seiner brennenden Bibliothek setzt Ibn Sina schließlich selbst seinem Leben ein Ende, allerdings nicht ohne zuvor seinem begabten Schüler Rob sein medizinisches Vermächtnis weiterzugeben. So bringt die Dunkelheit Persiens schließlich das Licht nach Europa, denn Rob kehrt nach London zurück, wo er – ganz im Sinne Ibn Sinas – ein Krankenhaus errichtet.

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  • Der Medicus<br>© Universal Pictures
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onyourscreen.de-Fazit zu DER MEDICUS


Ein Film, den man gesehen haben sollte. Regisseur Philipp Stölzl ist mit Der Medicus ein Werk gelungen, dass es durchaus mit seiner literarischen Vorlage aufnehmen kann. Teils ungewöhnliche Kameraführungen, beeindruckende Landschaftsbilder, eine mitreißende Geschichte und Schauspieler, die ihren Figuren auf glaubhafte und ausdrucksstarke Weise Leben einhauchen machen den Film zu einem emotionalen Leinwanderlebnis.


© Text: onyourscreen.de / US


 
 
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