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Artikel vom 09.11.2012 | Heimkino->Blu-Ray

Der Dieb von Bagdad



Effektreiches Kinospektakel von 1940, erstmals auf Blu-ray


Es gibt Filme, die prägten die Kindheit. Es gibt Leinwand-Meilensteine, die muss man gesehen haben, sonst hat man einfach was verpasst. Es gibt Klassiker des farbigen Kinofilms, an denen darf man als Film- und Kinofan einfach nicht vorbeigehen. Das man das alles von einem Mix aus Fantasy-, Märchen- und Abenteuerfilm aus den Zeiten des 2. Weltkriegs behauptet, dürfte nicht allzu oft passieren. Doch wenn es so ist, und der vorliegende Fall des unvergesslichen Der Dieb von Bagdad trifft da voll ins Schwarze, dann darf man in der Regel froh sein, ein solches Genre-Highlight als leidlich akzeptable DVD-Version für das eigene Heimkino zu besitzen. Wenn sich dann allerdings ein Label an eine Neuveröffentlichung in überarbeiteter Form und als HD-Transfer auf Blu-ray (aber auch als DVD) mit vielen Extras herantraut, dann darf man mehr als gespannt sein.

Mediafacts
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Cover: Der Dieb von Bagdad
Titel: Der Dieb von Bagdad
Originaltitel: The Thief of Bagdad
getestete Version: Blu-ray
Cast: Conrad Veidt, Sabu, June Duprez, John Justin
Regie: Tim Whelan, Ludwig Berger, Michael Powell
Produktionsland: USA, GB
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
DVD-Release: 2012
Produktionsjahr: 1940
Spieldauer: 106 Minuten (BR), 102 Min (DVD)
Sprache: Deutsch, Englisch
Regioncode: 2
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Der böse und hinterlistige Großwesir Jaffar hat den noch jungen Kalif von Bagdad Ahmad verraten und ins Gefängnis werfen lassen. Mit Hilfe des kleinen Diebes Abu gelingt dem jedoch die Flucht aus den finsteren Kerkern der mächtigen Stadt. Die beiden fliehen nach Basra, wo sich Ahmad in die wundervolle Tochter des dortigen, übrigens ziemlich merkwürdigen Sultans verliebt. Doch auch Jaffar begehrt genau diese Prinzessin. Des Zauberns mächtig, lässt er Ahmad erblinden, verwandelt Abu in einen Hund und segelt mit der Prinzessin auf und davon. Die beiden Freunde nehmen die Verfolgung auf, doch Jaffar lässt ihr Boot kentern, so dass beide getrennt werden. Nun liegt es an Abu, Bagdad von der Herrschaft des arglistigen Großwesirs zu befreien.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Der Dieb von Bagdad von 1940 (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Stummfilm von 1924 mit Douglas Fairbanks in der Hauptrolle) ist ein Fantasy- und Abenteuerfilm mit Anleihen aus "Tausendundeine Nacht", der weltberühmten Sammlung morgenländischer Erzählungen. Hier geht man mit zwei sympathischen Helden auf die Reise, begegnet leicht-dämlichen Dschinns, fliegenden mechanischen Pferden, einem Sultan mit einem seltsamen Fetisch, unheimlichen Gestalten und riesigen Monsterspinnen. Zu Fuss, per fliegendem Flaschengeist, zwischendrin per Zauberteppich aber auch klassisch per Segelboot begleiten wir die beiden ungleichen Protagonisten auf ihrer Jagd nach dem fiesen Großwesir und seiner hübschen Beute. Man erfreut sich an der Liebe auf den ersten Blick und kompromisslosen Freundschaften, man fürchtet sich mit dem Dieb, man leidet mit dem betrogenen Kalif und wünscht dem zaubernden Drecksack von Großwesir die Beulenpest an den Hals. Wer es als Kind gesehen hat oder sich einfach so darauf einlassen kann, erlebt eineinhalb Stunden herrliches Gefühls- und Abenteuerkino aus den Anfängen des Farbfilms. Einfach herrlich.

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  • Bild aus Fotogalerie<br>© Anolis Entertainment
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Machen wir uns nichts vor: das Alter dieses Leinwand-Highlights, das 1940 nach dreijähriger und drei Regisseure verschlingenden Herstellungszeit fertiggestelt wurde, sieht (und hört) man ihm natürlich an. Ob wir uns im himmelblau kitschigen Bagdad oder im rosa-tuffigen Basra befinden, immer entdeckt man verspielt aufwendige Bauten und detailreiche und farbenfroh (gemalte) Hintergründe, ist amüsiert aber auch verblüfft über die mit viel Liebe ein- und umgesetzten Specialeffects und leidet mit den herrlich überagierenden Schauspielheroen. Deren schmissig-schmalzig vorgetragene Dialoge werden noch getoppt von den tragenden Kompositionen des Miklós Rózsa, einem der bedeutendsten Filmmusikkomponisten. Unzählige große Scores gehen auf sein Konto, so auch die Musiken zu Vier Federn, Sindbads gefährliche Abenteuer, Quo Vadis oder Ben Hur. Und auch hier bei Der Dieb von Bagdad bilden seine orchestralen Melodien den passenden orientalischen Rahmen und helfen mit, dieses bildgewaltige Fantasyspektakel zu dem zu machen, was es ist: Traumhaft!

Das meint onyourscreen.de zur Blu-ray


Wer aufgrund des fast bilblischen Alters bei dem vorliegenden Film nach Bildrauschen, ausgeblassten Farben, Rissen oder Störeffekten auf der DVD/BR fandet, wird lange suchen müssen. Das Bildmaterial liegt satt und eindrucksvoll vor, die Farben leuchten, alles ist scharf und kontrastreich und wird wohl nie besser ausgesehen haben. Möglicherweise hätte man an der einen oder anderen Stelle am Dialogton feilen können, hier gibts ab und an unsaubere Stellen, aber nichts eklatantes. Die Blu-ray kommt in der Standard-BR-Box, mit Wendecover, aber leider ohne Booklet. Ein paar Geschichten oder interessante Infos rund um den Film in gedruckter Form hätten die Veröffentlichung sicher nochmals aufgewertet. Schade, aber dafür glänzen die Extras, insbesondere die nahezu einstündige Dokumentation "Sabu - der Elefantenjunge". Zudem kann man sich am interessanten Audiokommentar des deutschen Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen erfreuen, der sowohl jede Menge Anekdoten zu den Dreharbeiten zum Besten gibt als auch die für die damalige Zeit revolutionären und in ihrer Anzahl so noch nie gesehenen Tricks erklärt. Abgerundet wird das Bonuspaket durch eine Bildergalerie sowie eine Trailershow inklusive "Trailers from Hell"-Version, in welcher Walking-Dead-Regisseur Ernest Dickerson erklärt, warum dieser Film so ein einschneidendes Erlebnis seiner Kindheit war.

Onyourscreen.de-Fazit zu DER DIEB VON BAGDAD


Die faszinierende Geschichte von Der Dieb von Bagdad und vor allem die durch Anolis Entertainment gekonnt aufbereitete Blu-ray hat nur ein Fazit verdient: Wer diesen filmischen Meilenstein als Kind gesehen und geliebt hat, der wird sich durch die wundervoll restaurierte Version gerne zurückversetzen lassen in Zeiten, als man sich noch in die Brokatcouch der Eltern gekrallt hat um bis zum Happy End mit Abu und Ahmed mitzufiebern. Wer dieses großartige Stück Filmgeschichte dagegen noch nie erleben durfte, der wird den Dschinn mit der roten Windel, die schöne Prinzessin und all den fabelhaften Schnick-Schnack halt erst 70 Jahre nach ihrem ersten Auftritt lieben lernen.
Also nichts wie rauf auf den fliegenden Teppich namens Blu-ray (erscheint am 15. November 2012) und auf, auf nach Bagdad - mitten hinein ins Märchenreich von Tausendundeine Nacht.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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