Artikel vom 09.11.2011 | Themen

Deadly Dullness



Killen Prequels, Sequels und Co. den Blockbuster?


Die Bourne-Trilogie war von Anfang an so konzipiert, dass Jason Bourne 338 Filmminuten braucht, bis er seine Vergangenheit bei der CIA aufgearbeitet und die Drahtzieher der Versuche seiner Beseitigung zur Strecke gebracht hat. Sechs Stunden und 38 Minuten voller Spannung, geballter Action und überraschender Wendungen. Und das Beste daran: Es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Die Bourne Verschwörung und Bourne Ultimatum sind keine Sequels von der Bourne Identität, sie alle ergeben nur zusammen einen tieferen Sinn.
Leider ist das in good old Hollywood eine rühmliche Ausnahme.

Eine Quizfrage. Ordne aus dem Stehgreif die Zahlen vier, drei und fünf als Teile folgender Filmfortsetzungen zuordnen: The Fast and the Furious, Transformers, Mission Impossible? Gut, ist nicht weiter schwer, zur Not bekommt man das auch schnell gegoogelt, und darum auch gleich die zweite Frage hinterher. Worin besteht der Unterschied all dieser Fortsetzungen gegenüber der Bourne-Trilogie? Sollten wir oben nicht schon zu viel verraten haben, dann hier die Auflösung: Sie habenalle nur den einen Zweck, nämlich mit den guten, erfolgreichen Namen des Erstlings weiter mächtig Geld in die Kassen der Produzenten zu spülen.

Mässig spannend, dennoch erfolgreich


Typische Vertreter
Nun wäre es sicher eine gewagte Behauptung, würde man den Bourne-Machern lediglich künstlerische Motive unterstellen und keine ökonomischen. Doch zu gravierend ist der momentane Hollywoodtrend, jedes noch so ausgelutschte Motiv auf die Leinwand zu bringen, im Idealfall Kassenschlager wie Fluch der Karibik - ebenfalls mit vierten Teil mittlerweile schon im heimischen DVD-Regal vertreten - so auszudehnen wie einen extra alten Kaugummi. Mit dem Ergebnis, dass die Filme dann auch so interessant schmecken wie ein eben solcher Chewing Gum. Tom Cruise etwa kann man sowieso nur noch bescheuert finden, seit er mit seinem Scientology-Schwachsinn komplett verblendet durch die Welt läuft und moralisch extrem weit vom rechten Weg abgekommen ist. Und jetzt also: Mach's noch einmal, Tom? In einem vierten Teil von Mission Impossible? Muss nicht, ganz ehrlich.

Jedoch: zu spät. Seit längerem geistern erste Trailer durchs Netz, und Gerüchte kursieren, wonach sogar Teil fünf schon in Planung sei, dann wohl wenigstens nicht mehr mit dem Zwerg Nase der Scientologen. Das Dilemma jedoch bleibt. Hollywood befindet sich im Fortsetzungswahn. Wenn man dem Drehbuchautor Craig Mazin Glauben schenkt, ist das gar nicht so schlimm, verglichen mit größerem dräuenden Unheil. Mazin, der u.a. die Drehbücher zu Hangover 2 und den Scary Movie-Teilen 3 und 4 - alles Fortsetzungen! - geschrieben hat, lässt Schlimmstes befürchten. So soll er seiner Aussage zufolge ein Angebot von Paramount gehabt haben, das Drehbuch zur Verfilmung eines Such-Bilderbuchs für Kinder zu schreiben. Grotesk. Doch es geht noch verrückter, glaubt man Mazin.

Dummerweise funktioniert die Masche



Paramount soll nämlich ebenfalls Filmversionen von "Schiffe versenken" und "Monopoly" planen: "Jeder Mist ist billig genug", klagt Mazin, es geht um die Begrenzung von Risiken. Die Leute konsumieren, was sie kennen, so denken sie in Hollywood, und übersehen dabei, dass auch ein bisher völlig unbekannter Stoff wie Inception ein riesiger Kassenschlager war. Das kann nicht nur an den Akteuren um Leonardo DiCaprio und Michael Caine gelegen haben.

Somit steht fast schon fest: es droht tatsächlich die große Langeweile. Wenn irgendwann der fünfte Teil von "Fluch der Karibik" (der tatsächlich in Planung ist), "Mission Impossible 6", "Transformers 7", "Toy Story 8" und "Cars 9" parallel im Kino laufen, werden die Kassen klingeln wie noch nie, aber dass Film auch mal Kunst war, davon wird nichts mehr zu merken sein. Wer stumpf in jede Sequel-Verfilmung rennt, dem wünschte man die Gedächtnislücken von Jason Bourne, auf dass er jedes Mal etwas halbwegs Neues erlebe?
Ansonsten macht es doch direkt wie George Lucas und bringt jeden Film einfach dreiundzwöfzig mal ins Kino: einmal mit neuem Ton, einmal mit verbessertem Bild, einmal mit ein paar unnötigen aber neuen Szenen und ganz zum Schluss mit der Geisel des Kinos: in 3D.


© Text: onyourscreen.de / HK/AS

 

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