© 2008  4 Ventures Limited
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Artikel vom 09.09.2012 | Heimkino->Serien

DEAD SET



Reality bites - und wie!


Das gemeine Zombietum ist sicherlich eines der meist strapazierten Horrorthemen auf der großen Leinwand und natürlich auch im Heimkino. Mit The Walking Dead schafften es die untoten Gesellen 2010 aber auch in den TV-Serienbereich. Doch schon vor diesem erfolgreichen Auftritt gelang es einer ähnlichen Idee die Wohnzimmer-Fernsehgeräte mit Kunstblut zu besudeln: die von Autor Charlie Brooker entwickelte Miniserie Dead Set nahm sich des apokalyptischen Zombiethemas an und verwob es mit der modernen Reality-Fernseh-Seuche namens "Big Brother". Eine gute Idee soweit, dachte sich auch das deutsche Label "Anolis Entertainment" und bringt die britische, fünfteilige Miniserie ab 27. September 2012 als DVD und Blu-ray auf den heimischen Markt. Wir haben uns die 2-Disk-Blu-ray schon jetzt angesehen und waren echt angetan, aber lest selbst.

Mediafacts
 © 2012 Anolis Entertainment
© 2012 Anolis Entertainment
Cover BR: Dead Set
Titel: Dead Set
Originaltitel: Dead Set
Getestete Version: 2-Disk Blu-ray
Produktionsjahr: 2008
Episoden: 5 in 1 Staffel (Miniserie)
Genre: Horror
Cast: Jaime Winstone, Andy Nyman, Riz Ahmed, Warren Brown, Beth Cordingly, Adam Deacon, Kevin Eldon
Label: Anolis Entertainment

Serienkurzbeschreibung


Während sich die Kandidaten der aktuellen britischen "Big Brother" Staffel noch über Banalitäten unterhalten und wegen Nichtigkeiten streiten, bricht draussen eine Seuche aus, die jeden Betroffenen in einen Zombie verwandelt. Als die agressiven und erstaunlich schnellen Untoten das Studio-Gelände einnehmen, flüchtet sich Produktionsassistentin Kelly zu den bisher ahnungslosen Bewohnern Angel, Grayson, Joplin, Veronica, Marky und Space in das gut gesicherte "Big Brother"-Haus. Die Gruppe beschließt, das Beste aus der Situation zu machen und im abgeschotteten Haus auf Rettung zu warten. Auch der hyperaktive und menschenverachtende Produzent der Show, Patrick, und die gerade von den Zuschauern "rausgewählte" Pippa konnten sich bisher der Untoten erwehren und stoßen alsbald zu den "Bewohnern". Doch nicht nur das führt zu Spannungen und so eskaliert die Situation im BB-Haus während sich draussen die Zombie-Herde sammelt und sich auf die letzten lebenden Leckerbissen Großbritanniens freut.

Das meint onyourscreen.de zur Serie


Großbritannien ist ja seit jeher Garant für intelligenten, unterhaltsamen Serienstoff - denken wir beispielsweise an Dr.Who, Mad Men, The Office, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, Spaced oder The IT-Crowd, um nur einige wenige zu nennen. Gerne wird hier provoziert, gerne schlägt man hier über die Stränge. Doch selbst für UK-Verhältnisse ist Dead Set etwas besonderes und ziemlich gewagt. Fast schon verwunderlich, das sich mit E4 ein mutiger Sender für die Ausstrahlung gefunden hat. Denn Dead Set ist nichts für Weicheier - sicher wird hier nicht durchgehend gesplattert, aber wenn dann geht es richtig zur Sache ... da steht die Serie den großen cineastischen Vorbildern in nichts nach. Hier fließt das Blut hektoliterweise und Arme, Beine oder andere Extremitäten liegen öfter vereinzelt herum als an menschlichen Torsos ihrem ursprünglichen Auftrag nachzugehen.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Zombie am Zaun<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Breaking News<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Kriechende Zombies<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Überaktiver Produzent mit überbrodelndem Ego bei blutigem Handwerk<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Hauptprotagonistin Kelly im Diary Room<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Davina McCall macht auch als Zombie eine gute Figur<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Massenweise Zoombies die sich von Zäunen aufhalten lassen, warum auch immer<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Stop, Police.<br>© 2008  4 Ventures Limited
  • Laufend laufende Zombies.<br>© 2008  4 Ventures Limited

Den kreativen Köpfen rund um Regisseur Yann Demange sei Dank - das vermutlich eher geringe Budget sieht man der Serie nie an, weder bei der Austattung, noch bei den Locations oder auch Special Effects. Im Gegenteil, das Hauptsetting ist prima, der optische Stil gelungen und die Darsteller fast durch die Bank ein Glücksgriff.
Apropos Ausstattung und Cast: da müssen wir Nicht-Briten leider mit einem Manko leben. Die Cameo-Auftritte diverser tatsächlicher Ex-Big Brother-Teilnehmer werden uns entgehen, die Ähnlichkeit des BB-Hauses und auch des Logos mit dem UK-Original wird uns nicht auffallen. Auch die auffälligen Paralleln zwischen Darstellern und einigen echten BB-Protagonisten bleiben uns vermutlich verborgen - das Davina McCall sowohl in der Serie als auch im echten Leben ihres Zeichens Moderatorin von "Big Brother" ist (und später den wütenden Zombie übrigens recht überzeugend mimt) wollen wir nicht unerwähnt lassen. Aber selbst ohne diese Kenntnisse erkennt man genug verwandtes aus unseren deutschen BB-Staffeln wieder, die wir natürlich alle niemals gesehen haben.

Wer möchte darf übrigens gerne Medienschelte und Sozialkritisches in die Produktion hineininterpretieren à la "wer sowas hirnloses wie Big Brother schaut wird zum seelenlosen Zombie", doch speziell das ist vermutlich nicht die Wirkung, die die Macher erreichen wollten. Eher die Unfähigkeit der Gesellschaft (hier im kleinsten Kreis) sich bei Problemen zusammenzuraufen und gemeinsame Wege aus der Krise zu finden, wird hier symbolisiert und an den Pranger gestellt.
Doch der kritische Unterton ist nur unterschwellig anwesend, der umstrittene und als kontrovers eingestufte, sehr bekannte Autor Charlie Brooker wollte anscheinend zwar ironisch aber immer unterhaltend an das Thema herangehen. Und das ist ihm über 140 Minuten lang gelungen.
Etwas überraschend könnte der optische Einstieg in die Serie sein, denn im Pilotfilm greift die Crew erst mit Eintreffen der Hauptfigur Kelly zu gewohnter Kameratechnik, vorher wird - ganz im Stil von BB mit Digital Video gearbeitet. Das Stilmittel ist im Nachhinein gelungen, die bei den Actionsequenzen arg übertriebene (und leider mittlerweile moderne) Wackelkamera hätte man etwas reduzierter einsetzen sollen. Eine etwas störende Ungereimheit im Plot ist die Tatsache, das sich gewalttätige Zombies von einfachen Zäunen aufhalten lassen - etwas seltsam aber zu vernachlässigen und zusammen mit der Wackelkamera auch einziges Manko der ansonsten tollen Miniserie.

Das meint onyourscreen.de zur Blu-ray


Bild und Ton der Serie sind gut und werden auch gut wiedergegeben - wobei die Vorzüge des High-Definition hier nicht voll zur Geltung kommen, was aber der Optik nicht schadet. Die Doppel-Disk kommt im üblichen blauen BR-Look und löblicherweise mit Wendecover, den mitdenkenden Machern sei Dank. Disk 1 wartet mit dem Pilotfilm und zwei Episoden auf, Disk 2 mit den letzten beiden Folgen und rund 60 Minuten interessantem Bonusmaterial. Hier finden sich Interviews mit dem Regisseur Yann Demange und dem gerne die Zuschauer beleidigenden Charlie Brooker. Behind-the-scenes über die Location, die SFX und ähnliches sowie (sehenswerte) entfallende Szenen runden das Bonuspaket ab. Abschließend ergänzt ein kleines, gut geschriebenes Booklet die Hintergrundinformationen zur Serie.


Das onyourscreen.de-Fazit zu DEAD SET


Eine überhaupt nicht zimperliche Miniserie mit beißendem Unterton von der man sich gut und gerne auch die doppelte Laufzeit gewünscht hätte. Gute Idee, interessante Story, ansprechende Dialoge (nun gut, auf deutsch ab und an etwas holprig) und durchweg spannend - das alles garantiert, das ihr die kompletten 141 Minuten vermutlich genauso am Stück schauen werdet wie wir. Im Prinzip hätte man auch die Credits am Ende und das "Das geschah bisher bei Dead Set" jeder Folge weglassen und einen abendfüllenden Spielfilm draus machen können.

Wer Zombies mag, wird Dead Set lieben, wer britische Serien mag, dem wird der böse Unterton gefallen, wer spannende Horror-Unterhaltung mag, wird seine helle Freude an den fünf Episoden haben. Also: 27. September vormerken oder direkt vorbestellen - wir wünschen schonmal viel Vergnügen.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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