Day of the Dead - Bloodline © EuroVideo
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Artikel vom 25.05.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Day of the Dead - Bloodline




"Es war, es ist und es wird es immer bleiben“, das zweischneidige Schwert, welches über den Magnus Opus von George A. Romero´s Day of the Dead wacht. Nachdem George A. Romero, spätestens mit seinem Dawn of the Dead Kinogeschichte geschrieben hat und das Zombie-Genre quasi aus der Taufe hob, bevor er zuvor mit Night of the living Dead schon die Marschrichtung festlegte, ahnte niemand etwas von dem Status, den der Film später einmal für sich beanspruchen sollte.

Im Jahre 1985 erschien der sehnlichst herbeigewünschte Day of the dead, der da ansetzen sollte, wo sein Meisterwerk Dawn of the Dead endete. Auch die Fortsetzung des Kultklassikers punktete geradlinig bei den hungrigen Horrornerds, die offenbar mindestens genauso ausgehungert waren, wie seine wandelnden Untoten selbst. Das Szenario wechselte vom kultigen „Kaufhaus“ (der ihm in Deutschland mitunter den banalen Namen Zombies im Kaufhaus einbrachte) in eine unterirdische Forschungsstation, in der mitunter Tests an den Untoten vollzogen werden. Neben der für Romero typischen Gesellschaftskritischen Schlagseite und Seitenhieben, gabs auch eine gut strukturierte und nachvollziehbare Charakterzeichnung, so dass der geneigte Zuschauer ganz klar in der Lage war zu selektieren, mit wem man sympathisieren möchte und mit wem nicht. Die Symbiose aus handgemachten Gore-FX, den glaubwürdigen Darstellern, der tollen und stets bedrohlichen Atmosphäre und dem sensationellen Score, die passte in allen genannten Attributen perfekt mit- und zueinander. Den Film und seine Daseinsberechtigung jetzt weiter zu interpretieren ist völlig unnötig, denn einjeder ist sich seiner Ausnahmestellung im Zombiegenre bewusst.

Gewinnspiel:
Day of the Dead - Bloodline



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Es zogen einige Jahre ins Land und das Zombiegenre flaute gerade wieder etwas ab, nachdem Romero und Fulci und einige viele Italo-Billoschinken aus der Videothek geschwemmt wurden. Daher ist es natürlich immer ein leichtes, mit einem bekannten Titel wie eben "Day of the Dead", erneut Schlagzeilen und am besten noch „Kasse“ zu machen. Im Jahre 2005 erschien in den USA der Film Day of the Dead - Contagium. Hoffnungen, die vielleicht bei aller Namensgleichheit aufzukeimen schienen, die durften spätestens nach zwei Minuten begraben werden, nachdem die ersten Untoten über den Bildschirm flimmerten. Dieser schier unglaubliche Mist aus gequirlten Dünnpfiff, der sich erdreistet, Romeros Meisterwerk namentlich in Bezug zu setzen, grenzte schon fast an Blasphemie. Vielmehr war es auch ein mehr als kläglicher Versuch, den Klassiker Return of the Living Dead mit neuen Facetten und dem Ansatz eines Day of the Dead zu vereinen. Aber diese, man muss es so tatsächlich konstatieren, „Scheisse“ wurde dann mit Tempo 200 vor die Wand gefahren. Somit legen wir schnell den Mantel des ewigen Schweigens über diese Ausgeburt von Film, der das Zelloid nicht wert ist, auf dem er gebannt wurde.

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Day of the DFead - Bloodline
Steve Miner, der ja dem ein oder anderen Genrekenner aus der Freitag der 13te-Ecke bekannt sein dürfte, versuchte sich im Jahre 2008, also drei Jahre später, erneut am Romero'schen Stoff. Mit Mena Suvari, Ving Rhames und Michael Welch garnicht mal so schlecht besetzt, bekämpfen sich auch hier Militär und Zombies in einem Szenario, welches dem ursprünglichen Szenario aus dem Jahre 1985 ebenfalls nicht im Ansatz das Wasser reichen konnte. Die jungen Darsteller sind zwar sichtlich bemüht und Miner´s Day of the Dead ist natürlich auch um Welten besser, als der tumbe Contagium ... aber in Summe hinterlässt auch jener einen eher faden Beigeschmack und ist bereits am nächsten Tag vergessen. So ist das halt im Business ... gewisse Dinge rührt man einfach nicht an.

Die Hoffnung stirbt zuletzt


Getreu dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, gibt ´s natürlich einen aktuellen Ableger des Franchise und Namensgeber, der erneut versucht, verlorenen Boden gut zumachen und der dafür Sorge tragen möchte, dass Romero in Ehren den ewigen Schlaf der Gerechten weiter fortführen kann, ohne sich unruhiger im Grabe zu wälzen, als seine Untoten selbst. Den neuesten Ableger, der versucht, Romero´s Erbe zu versilbern, hat ein gewisser Hèctor Hernández Vicens zu verantworten, der sein Machwerk demnach nun als Day of the Dead - Bloodline betitelt. Hèctor Hernández Vicens hatte zuvor jedoch bewiesen, dass er mit seinem Erstlingswerk Die Leiche der Anna Fritz durchaus für Überraschungen sorgen kann. Durch die Hinzunahme der Produzenten Avi Lerner und James Glenn Dudelson sollte man aber dennoch Vorsicht walten lassen - hatte zuletzt genannter noch den unsäglichen Day of the Dead 2 - Contagium verbrochen.

Day of the Dead - Bloodline beginnt jedoch recht flott. Somit katapultiert der Auftakt des Films einen direkt ins das desaströse Szenario der umherrennenden Untoten, in dem die Wissenschaftlerin Zoe die zentrale Mittelpunktfigur darstellt, welche in dem urbanen Chaos umherirrt. Durch die etwas ungelenk wirkende Rückblende wird dem Zuschauer dann wenig später suggeriert, wie es zu dieser Apocalypse gekommen ist. Mitunter etwas wirr mutet diese Rückblende an, welche auch eher den selbstzweckhaften Beigeschmack hinterlässt, dass in jener mal eben so viel Blut wie eben möglich zum Einsatz kommen muss, um den geneigten Fan bei Laune zu halten. Wenig später wird dann wieder fünf Jahre in die Zukunft geschaut und man weiss aktuell nicht, wie man sich zu orientieren hat. Das durch Rückblenden gespickte Szenario ist im Grunde auch nur dem Aspekt dienlich und geschuldet, dass einer der Hauptprotagonisten eingeführt wird, der neben Zoe das eigentliche Bindeglied im ansonsten recht soliden Film bildet. „Max" ist Probant an der Uni und Zoe zapft ihm regelmäßig Blut ab, für ihre Test und Forschungszwecke. Dieses nimmt sich Max jedoch etwas zu sehr zu Herzen und als Zoe seine Zuneigung ihr gegenüber nicht erwidert, fällt er über sie her und wird dabei von einer Leiche gebissen, um fortan als Wiederkehrer in Erscheinung zu treten. Da auch Max im späteren Verlauf seiner Performance als „Zombie“ agiert und in der Forschungseinheit als „Bub“-Klone agiert, sind dies auch so ziemlich die einzigen Parallelen.


Die Forschungseinheit wird geleitet und steht unter dem strengen Kommando des Officer Miguel Salazar ... der ... wie könnte es anders auch sein, nichts anderes ist als eine Reproduktion des kommandierenden „Rhodes“ ist, der seiner Zeit im Original hervorragend von Joe Pilato verkörpert wurde. Demnach hat es ein Jeff Gum sichtlich spürbar schwer, in die viel zu großen Fußstapfen eines Kommandanten „Rhodes“ zu treten. Weiterhin geht auch keine für den Zuschauer spürbare bedrohliche Atmosphäre von ihm aus, was auch daran liegt, dass weder die optische „bad ass“ Attitüde Präsenz zeigt, als auch die forcierende Synchronstimme eines Manfred Lehmann fehlt, der bestens zu Joe Pilato gepasst hat.
Salazars Bruder „Baco“ ist mit Zoe liiert, somit schafft man auch hier zumindest im Ansatz so etwas wie ein Bindeglied zu Romeros Vorlage, in der diese Konstellation ähnlich gelagert war. Leider wirkt das Handeln von Salazar eher etwas handzahm und verleiht dem Charakter somit dann eine etwas andere Note, was natürlich auch durchaus so gewollt sein könnte.
Unterschiede machen sich aber auch im Setting breit. Wo selbst die unterirdische Forschungseinheit im Original seine dreckig, düsteren und herrlichen 80iger Jahre Settings hatte und lebendig wirkte, macht das „Remake“ noch nicht einmal vor frisch gefegten Straßen halt. Eine durchs Bild fliegende Zeitung mit der Tagline „The dead walk“ wird man somit ebenfalls schmerzlich vermissen.

Im Kontext also ein Remake, dass sich natürlich nicht mit dem zu übermächtigen Vorbild messen kann. Der „heilige Grahl“ verbleibt somit wie zu erwarten in den ruhenden Händen des Großmeisters. Dennoch möchte ich konstatieren, dass der Film als direktes Remake natürlich nicht im Ansatz einen Vergleich legitimiert, aber als eigenständig betrachteter Genrevertreter dann doch zu unterhalten weiss. Zum einen punktet das recht solide und schnell abgespulte Erzählkonstrukt, sowie die wirklich guten und auch mitunter harten Gore FX, die sich echt sehen lassen können und komplett unbeschadet durch die FSK gekommen sind. Entgegen all seiner Rohrkrepierer, die mit dem Namen „Day of the Dead“ einhergehen, ist der jüngste Ableger Bloodline schon fast so etwas wie ein Lichtblick, wenn man es denn schafft, sich vom großen Vorbild zu lösen und ihn eigenständig betrachtet. Das ist aufgrund des Namens und der gewollten Charakterzeichnung zwar schwer, aber dann ... und nur dann, hat man Spaß mit den „Blutlinien" im romero'schen Fahrwasser.

Fazit


Das oben angesprochene zweischneidige Schwert ist natürlich präsent und auch Bloodline ist keines Falls eine stumpfe Seite davon. Jedoch schneidet sich der Regisseur „scharf“ ins eigene Fleisch, weil er es versäumt hat, eine gewisse konstante Eigenständigkeit mit einzubringen. Hätte der Film nicht den Titel Day of the Dead, wäre er ein mehr als solider Genrevertreter, der mitunter auch einiges besser macht, als der X-te Billoschund aus Italien und Co. Rein optisch recht wertig, präsentiert sich Bloodline dennoch frisch, auch wenn man auf althergebrachtes wie Standard-Schocks und Jumpscares setzt.
Unterm Strich und ohne ständig den Vergleich des Originals im Nacken zu haben, kann Day of the Dead - Bloodline echt unterhalten. Romero-Die-Hard Fans werden auch um diesen einen großen Bogen machen und auch der Meister selbst wird sich wohl erneut im Grabe umdrehen ... aber mit tolerantem Blick klappts auch mit der „Blutlinie“. Zumal auch Bild und Ton der EuroVideo Bluray überzeugen. Alles in allem ein guter Genre-Beitrag, aber ein von aller gesellschaftlichen Sozialkritik-befreiter "No Brainer“, der als direktes Remake versagt. Aber da ist er ja nicht der einzige ...


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher Heister


 
 
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