Artikel vom 09.02.2011 | Themen

Das große Gähnen?



Im Würgegriff der fiesen Sequel-Schlange


Ein Quiz - es könnte auch eine Auswahlfrage bei "Wer wird Millionär sein": Ordnen die die Zahlen vier, drei und fünf als Menge der Teile folgender Moviesequels zu: The Fast and the Furious, Transformers, Mission Impossible?
Gut, ist nicht weiter schwer - wobei das zwei, drei Monate nach Erscheinen dieses Artikel ja schon wieder ganz anders sein kann - zur Not bekommt man das auch schnell gegoogelt.

Eine zweite Frage hinterher. Worin besteht der Unterschied all dieser Fortsetzungen gegenüber beispielsweise der Harry Potter-Serie oder auch der Bourne-Trilogie? Die letzten beiden sind von vorneherein so geplant gewesen, die ersten drei dienen alle nur dem einen Zweck, nämlich mit den guten Namen ihrer Originalfassungen weiter mächtig Geld in die Kassen der Produzenten zu spülen.

Interessant wie zwei Stunden alter Kaugummi


Nun wäre es sicher eine gewagte Behauptung, würde man den Bourne- oder gar Potter-Machern lediglich künstlerische Motive unterstellen und keine ökonomischen. Doch zu gravierend ist der momentane Hollywoodtrend, jedes noch so ausgelutschte Motiv auf die Leinwand zu bringen, im Idealfall Kassenschlager wie Fluch der Karibik - ebenfalls mit einem vierten Teil im Kino vertreten - so auszudehnen wie einen uralten Kaugummi. Mit dem Ergebnis, dass die Filme dann auch so interessant schmecken wie ein uralter Kaugummi. Tom Cruise etwa kann man sowieso nur noch bescheuert finden, seit er mit seinem Scientology-Schwachsinn komplett verblendet durch die Welt läuft und moralisch extrem weit vom rechten Weg abgekommen ist. Und jetzt also: Mach's noch einmal, Tom? In einem vierten Teil von Mission Impossible? Nein, danke - aber leider nicht nur possible sondern bittere Realität.

Ein böser Trend - Hollywood befindet sich im Fortsetzungswahn. Doch wenn man Craig Mazin Glauben schenkt, ist das gar nicht so schlimm, verglichen mit größerem drohendem Unheil. Mazin, der als Drehbuchautor u.a. die Drehbücher zu "Hangover 2" und den "Scary Movie"-Teilen 3 und 4 - alles Fortsetzungen! - geschrieben hat, lässt Schlimmstes befürchten. So soll er seiner Aussage zufolge ein Angebot von Paramount gehabt haben, das Drehbuch zur Verfilmung eines Such-Bilderbuchs für Kinder zu schreiben. Grotesk. Doch es geht noch verrückter, glaubt man Mazin.

Kassenklingeln 2,3, und 4


Paramount hat ja bereits eine Filmversionen von Schiffe versenken (Battleship) umgesetzt und ist in der Planung für eine Monopoly-Verfilmung. Ja ne, ist klar. "Jeder Mist ist billig genug", klagt Mazin, es geht um die Begrenzung von Risiken. Die Leute konsumieren, was sie kennen, so denkt man in Hollywood, und übersieht dabei, dass auch ein bisher völlig unbekannter Stoff wie Inception ein riesiger Kassenschlager war. Das kann nicht nur an den Akteuren um Leonardo DiCaprio und Michael Caine gelegen haben.

So droht tatsächlich die große Kino-Langeweile, den wir befinden uns alle im Würgegriff der fiesen Sequel-Schlange. Wenn irgendwann der fünfte Teil von "Fluch der Karibik" (der tatsächlich in Planung ist), "Mission Impossible 6", "Transformers 7", "Toy Story 8" und "Cars 9" parallel im Kino laufen, werden die Kassen klingeln wie noch nie, aber dass Film auch mal Kunst war, davon wird nichts mehr zu merken sein. Wer stumpf in jede Sequel-Verfilmung rennt, dem wünschte man die Gedächtnislücken von Jason Bourne, auf dass er jedes Mal etwas halbwegs Neues erlebe?

BTW: Hatten wir eigentlich über "Bourne" gesagt, das es mit der "Trilogie" abgeschlossen ist? Pustekuchen. Zwar ohne Onkel Damon aber nichtdestotrotz kommt bald Bourne Legacy. Warum auch immer.


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