Das Grauen schleicht durch Tokio
Artikel vom 20.03.2017 | Heimkino->Blu-Ray

Das Grauen schleicht durch Tokio



Glibbrig, grüngeistig und großartig


Nach dem sensationellen Erfolg von Godzilla im Jahr 1954, war Regisseur Ishir? Honda nahezu festgelegt auf den phantastischen Film: außerirdische Mächte und Monster bestimmten von nun an seinen Weg. Die Dinge aus seiner Hand, die seit dem die Kinoleinwände terrorisierten, waren in der Regel riesig - wie etwa Godzilla, Rodan, Mothra, ein mysterianischer Roboter oder auch Furankenshutain -, doch ab und an ging es auch leiser zu. 1958 zum Beispiel zeigte sich in Das Grauen schleicht durch Tokio, dass er auch mit eher subtilem Schrecken seine Zuschauer erreichen konnte. Uns erreicht dieses bisher auf dem deutschen Heimkinomarkt unveröffentlichte Schätzchen via dem bereits 6. Eintrag in der Anolis-Reihe "Rache der Galerie des Grauens", dankenswerterweise erneut mit einem monströsen Umfang im Bereich Bonusmaterial.

Mediafacts
Das Grauen schleicht durch Tokio © Anolis Entertainment
© Anolis Entertainment
Cover: Das Grauen schleiht durch Tokio
Titel: Das Grauen schleicht durch Tokio
Originaltitel: ??????? (Bijo to Ekitai Ningen)
Amerik. Titel: The H-Man
getestete Version: DVD/Blu-ray
Cast: Akihiko Hirata, Kenji Sahara, Yumi Shirakawa u.a.
Regie: Ishir? Honda
Produktionsland: Japan
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2017
Produktionsjahr: 1958
Spieldauer: 87 Minuten (Blu-ray)
Sprache: Deutsch/Englisch/Japanisch, Mono
Regioncode: 2
FSK: ab 12 J

Filmkurzbeschreibung


Rätselhafte Ereignisse erschüttern die Millionenstadt Tokio. Menschen verschwinden spurlos, die Polizei steht ratlos vor einem scheinbar unlösbaren Fall und einer Vielzahl unerklärlicher Phänomene. Während eines Drogendeals wird ein Kleinkrimineller von einem Taxi überfahren. Niemand findet den Verletzten, nur seine Kleidung ist zurückgeblieben. Die überlebenden Mitglieder eines Fischkutters berichten eine unglaubliche Geschichte über ein Geisterschiff in den Gewässern eines nuklearen Testgebiets. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Atombombenversuchen und den unfassbaren Vorfällen in Tokio? Erst mit Hilfe der Wissenschaft findet die Polizei die schauerliche Wahrheit heraus – doch ist es vielleicht bereits zu spät für die Bevölkerung Japans?

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Auch wenn der eine oder andere Fan es wohl gehofft oder gar gefordert hatte, war es ein völlig logischer Schritt des Distributor Anolis Das Grauen schleicht durch Tokio NICHT in der Reihe "Kaiju Classics" zu veröffentlichen. Sicher, ein großer Teil der dort vorhandenen Monsterfilme ist auch vom Team Ishir? Honda (Regie) und Eiji Tsuburaya (Special Effekt-Regie), doch der vorliegende Streifen ist einfach kein klassischer Kaiju (auch wenn der Begriff als solches ja recht dehnbar ist), sondern gehört eher in die Riege der klassischen Gruselfilme, in denen sich auch die späten Universal Monsterfilme oder auch ein Blob - Schrecken ohne Namen befindet. Bei unserer Erstsichtung vor mehr als 30 Jahren vermuteten wir bei Das Grauen schleicht durch Tokio (OT: ???????, Bijo to Ekitai Ningen [in etwa "Die Schönheit und der Flüssigmensch"]) gar ein Plagiat des Blob, doch in Wahrheit wurden beide im gleichen Jahr gedreht und wohl auch ohne voneinander zu wissen. Tatsächlich ist das Auftreten des vor sich hin wabbernden Monsters zwar augenscheinlich ähnlich, die Motive und die Aussagen jedoch eine völlig andere. Denn genauso wie das erste Godzilla-Movie prangert auch Das Grauen schleicht durch Tokio die Atombombenversuche im Südpazific nach dem zweiten Weltkrieg an. Doch hier verkörpert das Monster nicht die Atomkraft selber (so wie Godzilla), sondern die schleichenden, nahezu unsichtbaren aber ebenso verheerenden Nachwirkungen auf die betroffenen Menschen. Das Grauen der Verseuchung manifestiert sich in einem glibbrigen Schleim, dessen Opfer als unheimlich grüne Geister zusätzlich für Schrecken sorgen. Bedroht wird übrigens mal wieder Tokio, doch schnell wird klar, dass, wenn man den meist unsichtbaren Feind hier nicht stoppt, ganz Japan, ja wahrscheinlich sogar die ganze Welt in Gefahr ist. Ishir? Honda präsentiert mit diesem Film einen Gruselschocker der anderen Art und schafft es auch ohne riesige Kaijus seine Zuschauer zu bannen. Ganz wie es seine Art ist, verheimlicht Honda auch hier seine Vorliebe für den klassischen Thriller nicht. So wurde ein Yakuza-ähnlicher Subplot mit untergebracht, der den Darstellern Raum für ausgiebige Dialoge lässt und den Zuschauern die wichtigsten Protagonisten ans Herz legt. Übrigens viele der bekannten Größen aus der Toho-Werkstruppe spielen in diesem Streifen mit - allen voran Akihiko Hirata als Inspektor Tominaga, der in Hondas 1954er Godzilla Professor Serizawa mimt, den selbstlosen Erfinder des Oxygen-Zerstörers. Den weiblichen Hauptpart übernahm die junge und bis dahin unbekannte Yumi Shirakawa, die eine erstaunlich langlebige Karriere im Filmbusiness hinlegte. Den uneigenützigen und engagierten Wissenschaftler spielt der später zum Kultdarsteller avancierende Kenji Sahara (allerdings noch unter einem anderen Namen). Er spielte in zig Filmen, darunter vielen Godzilla-Streifen über nahezu alle Dekaden, mit - doch am bekanntesten wurde er wohl in der Hauptrolle des japanischen Serienhits Ultra Q und den späteren Sequels.
Der garnicht so heimliche Star in Das Grauen schleicht durch Tokio ist aber das in diversen Erscheinungsformen auftretende Unheil, das Menschen komplett auflöst und nichts anderes als ihre Kleidung zurücklässt. Da glibbert der Schleim vor sich hin, bewegt sich langsam aber stetig, materialisiert Verstorbene in Geistform um sich herum und tötet heimtückisch. Das Spektakel erreicht seinen dramatischen und visuell eindrucksvollen Höhepunkt, als "das Grauen" in Tokios Untergrund isoliert und schlussendlich bekämpft werden kann ...

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment
  • Das Grauen schleicht durch Tokio<br>© Anolis Entertainment

Das meint Onyourscreen.de zur DVD-/Blu-ray-Kombi


Und erneut präsentiert uns Anolis eine großartig kuratierte Veröffentlichung eines Horror-Klassikers in ihrer Reihe "Rache der Galerie des Grauens". Die 2-Disc-Edition beinhaltete sowohl eine Blu-ray als auch eine DVD. Darauf zu finden sind die folgende Versionen von Das Grauen schleicht durch Tokio: Japanische Langfassung (Ton wählbar: deutsch und japanisch), amerikanische Kinofassung ((Ton wählbar: deutsch und englisch) sowie die deutsche Kinofassung (Ton wählbar: deutsch und englisch). Neben den für die Reihe typischen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen (an seiner Seite Jörg M. Jedner) überrascht uns hier Anolis mit einem wie immer locker-flockigen Audiokommentar des Japan-Experten Jörg Buttgereit, an dessen Seite die ebenso versierten Bodo Traber und Alexander Iffländer für ausgesprochen unterhaltsame Informationen sorgen. Als weitere Extras dürfen wir uns den deutschen Kinotrailer, den Werberatschlag, das Filmprogramm und eine Bildergalerie zu Gemüte führen. Das beiliegene 16-seitige Booklet wurde geschrieben von Jörg M. Jedner und kann mit ausführlichen Infos und interessanter Bebilderung aufwarten. Veröffentlicht wurde Das Grauen schleicht durch Tokio am 17. März 2017 und sollte bei allen einschlägigen Quellen bestellbar sein. Wir empfehlen den Shop der Macher unter icatchermedia.de

Fazit


Für uns Liebhaber des japanischen Genrekinos ist Das Grauen schleicht durch Tokio aus heutiger Sicht natürlich ein Genuss, tatsächlich aber sicherlich nicht der beste Film von Ishir? Honda und Eiji Tsuburaya. Tricktechnisch absolut ausreichend - wenn auch nicht immer beeindruckend - stolpert die Handlung zwischendrin schon mal über sich selbst und wirkt ein wenig in die Länge gezogen. Was aber keinen Genrefan vom Kauf der wundervollen Edition von Anolis abhalten sollte, den alleine die drei enthaltenen Fassungen bieten soviel Raum für eigene Analysen und das Expertenwissen der audiokommentierenden Größen Giesen, Jedner, Buttgereit, Traber und Iffländer tragen dazu bei, dass die Blu-ray-/DVD-Kombi jeden Cent wert ist - sofern ihr denn noch eine erwischt!


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
© Anolis Entertainment

© Pandastorm

© ©Senri Akatsuki-SB Creative Corp./Undefeated Bahamut Partners ©SA-SBCr/UBP

© Anolis Entertainment

© Ascot Elite

© Wild Bunch Germany