Copywood?
Artikel vom 04.05.2011 | Themen

Copywood?



Hollywoodsche Remakes ausländischer Produktionen


Gut, chinesische Adidas-Schuh-Imitate oder Ed Hardy-Shirts aus Tschechien mit der Kopierwut Hollywoods zu vergleichen ist vielleicht nicht ganz fair, aber auch nicht ganz soweit weg von der Wahrheit. Zumindest vermehren sich die amerikanischen Remakes ausländischer Filmhits ähnlich schnell wie nachgemacht Rolex-Uhren. Allerdings kann sich so manches Hollywood-Imitat ausländischer Produktionen durchaus sehen lassen. Als Paradebeispiel gelungener Amerikanisierung kann hierbei der Gruselschocker The Ring herhalten. Der Vergleich mit dem japanischem Original Ringu fällt durchaus positiv für das Remake aus und gehört zweifellos zu den besseren Horror-Filmen des letzten Jahrzehnts.

Man kann aber mit so etwas auch fürchterlich Baden gehen, selbst wenn man Steven Soderbergh heißt und zu den angesehen Regiewunderkindern zählt. Sein unsäglicher Langeweiler Solaris kann so garnicht mit Andrei Tarkowskis russischem Original mithalten, das zu den großen Science-Fiction-Klassikern des 20. Jahrhunderts zählt und gar als Kunstwerk gehandelt wird. Was Soderbergh und Darsteller Clooney daraus gemacht haben, sieht dagegen eher wie die Malübung eines Anfängers aus.

Mist kann durchaus erfolgreich sein


Ein weiteres wenig tolles Beispiel, das aber trotzdem die Kassen klingeln ließ, ist Atemlos mit Richard Gere, der sich Jean-Luc Godards Klassiker Außer Atem vornahm und daraus einen unsäglichen Erotikthriller machte. Ein wenig besser machte es Hollywoods neues Lieblingskind Christopher Nolan und bastelte aus dem dänischen Todesschlaf den durchaus passablen Insomnia – Schlaflos mit Big Al (Pacino) in der Hauptrolle des schläfrigen Cops.

Dass man mit hollywoodschen Remakes aber auch überzeugen und die Kinokassen zum klingeln bringen kann, konnte letzhin wiedermal Martin Scorsese, der "Godfather of Director" beweisen. Mit dem Epos Departed konnte er 2007 nämlich seinen ersten Oscar einheimsen - das wurde auch mal Zeit. Dass das chinesische Vorbild Infernal Affairs bei Kritikern und Cineasten gleichermaßen höher eingeschätzt wird, dürfte Onkel Scorsese nicht sonderlich stören.

Angesichts der aufstrebenden weltweiten Filmindustrie - egal ob Europa oder Asien - dürfte Hollywood auch in Zukunft keine Schwierigkeiten damit haben, ausländische Filmperlen ausfindig zu machen, die für ein US-Remake herhalten können - ob dabei immer ein Mehrwert für den Zuseher entsteht ist weiterhin zweifelhaft. Ein guter Film in einer Neuverfilmung mit Hollywood-Stars zu besetzen, heißt bei weitem nicht, dass es dadurch besser wird. Im Gegenteil. Vielleicht sollte man eher den Ideenreichtum und filmischen Wagemut anderer Länder - gerade aus dem asiatischen Raum - als Vorbild sehen und damit die eigenen Produktionen bereichern.


© Text: onyourscreen.de / TA / Update: AS


 
 
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