Columbo
Artikel vom 14.01.2012 | Heimkino->Serien

COLUMBO



Eine Frage hätte ich da noch ...


Es ist beinahe schon mehr als traurig, in welch grausamer Härte die Realität der Fiktion überlegen ist. Peter Falk nämlich wurde über achtzig, war stark an Alzheimer erkrankt, wurde entmündigt und starb leider am 23. Juni 2011 in Beverly Hills. Für immer vorbei sind die Zeiten des Inspektor (aber nur in der deutschen Version, im Original war er Lieutenant) Columbo, der mit zerzaustem Haar, schmuddeligem Trenchcoat und zerbeulter Schrottlaube vorfuhr und reihenweise die Pläne der gerissensten Mörder auseinander nahm, ohne dabei etwas anderes in der Hinterhand zu haben als etwas Geduld und die Gabe des logischen Denkens.

Mediafacts
Originaltitel: Columbo
Produktionsjahre: 1968 bis 1978 und von 1989 bis 2003
Episoden: 69 in 10 Staffeln
Genre: Krimi
Hauptdarsteller: Peter Falk
Columbo folgerte gar in derartiger Kreativität, dass man es dem Zuschauer in den meisten Fällen zumuten konnte, die Identität des Mörders bereits zu Beginn der Folge preiszugeben. Man stelle sich nur einen "Tatort" mit dieser Vorrausetzung vor und ahnt unmittelbar, was für ein besonderes Charisma den Inspektor umgab. Nie wohl wird man die erste Folge der Serie vergessen, bei der man sich mehr die Frage stellte, warum bloß der Obdachlose von nebenan jetzt die Ermittlungen übernahm, als dass man sich darauf konzentrieren konnte, in welch amüsierender Gemächlichkeit er dem Plan des Täters auf die Schliche kam. Und dabei machte der Inspektor nie einen großen Wind um sich selbst und seine Kunst. Sein Hund hieß bloß "Hund", seine Frau zeigte er nicht einmal her obwohl sie in fast jeder Episode erwähnt wurde - und dass sich hinter den verkniffenen Augen das Genie eines Polizeischnüfflers verbarg, sollten auch die intellektuell fähigsten seiner Gegenspieler immer erst ganz zum Schluss - nämlich in Handschellen - begreifen. Wie Schuppen fiel es ihnen dann von den Augen, dass sie von einem Meister seines Fachs erledigt und hinter Schloss und Riegel gebracht worden waren und nicht sie mit ihm, sondern er mit ihnen ein Spiel getrieben hatte.


Eine Frage habe ich dann noch!


Mehr noch als einfacher Inspektor des LAPD war Columbo alias Peter Falk nämlich ein unglaublich talentierter Schauspieler, dem es vor allem darum ging, alle im Glauben zu lassen, dass man es mit einem leicht begriffsstutzigen Ermittler zu tun hat, der es nicht einmal schafft, den Weg allein nach Hause zu finden. Setzte er dann mit verknitterter Miene schließlich zum legendären: "Eine Frage hätte ich dann noch!" an, war es meist um den Mörder geschehen. Denn wer sein eigenes Licht derart gekonnt unter den Scheffel stellt, der hat es verdient, dass man ihm gehörig auf den Leim geht. Wie einst ein gewisser Friedrich Nietzsche - in einem leicht anderen Zusammenhang - sagte: "Vielleicht bin ich ja ein Hanswurst!"

Obwohl Peter Falk auch in einigen erwähnenswerten Filmprojekten mitspielte (Der Himmel über Berlin, Eine Leiche zum Dessert), wird er wohl für immer Inspektor Columbo bleiben, der auch noch in vielen Jahren und Jahrzehnten, seine Ermittlungen aufnehmen und in aller Ruhe zu Ende bringen wird. Stets war für den Inspektor (und die Zuschauer) der Weg das Ziel, und das wird auch für alle Zeit so bleiben. Und stellt man einmal die größten Schnüffler der Geschichte gegenüber, dann würde es nicht wundern, wenn gar ein gewisser bornierter Herr vom Scotland Yard im Angesicht des sympathischen Understatements vor ehrlichem Neid erblassen sollte. Zumindest verbeugen würde er sich, und das tun wir auch. Rest in Peace Columbo!


© Text: onyourscreen.de / TA/AS


 
 
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