China Salesman © Eurovideo
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Artikel vom 07.09.2018 | Heimkino->Blu-Ray

China Salesman




Bei dem hier vorliegenden China Salesman, handelt es sich um einen etwas anders anmutenden Actionfilm aus dem Jahre 2017, der von Tan Bing in Szene gesetzt wurde. Das recht verkaufsträchtig gestaltete Cover, welches sich mit Genre und Szenengrößen wie Mike Tyson und Steven Seagal eindrucksvoll präsentiert, sollte sich für all jene als gutes Kaufargument herausstellen, die immer noch nicht genug bekommen können vom einstigen Actionheld der 1990iger Jahre. Lässt das Cover die Mutmaßungen zu, dass es sich hier um einen waschechten Seagal-Klopper handelt, wird spätestens im Vorspann des Films klar, dass dem offenbar nicht so ist ... denn wenn jener noch als „Special Guest Appearence“ gelistet wird, dann ist doch alles klar, oder?

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Blu-ray Cover "China Salesman"
Dabei ist das Storykonstrukt noch nicht einmal schlecht und auch mal was völlig anderes. Es geht um die Vorherrschaft im Bereich der Telekommunikation im afrikanischen Kontinent. Das eigentliche Problem des Films ist dabei jetzt noch nicht einmal bei den Protagonisten selbst zu suchen, sondern an der oft zu überfrachteten Story, der man durch die wirren Schnittfolgen nicht immer folgen kann. Zudem mutet das Thema an sich recht „zäh“ an, auch wenn’s bisweilen für gänzlich neue Aspekte sorgt. Dennoch, der Trailer versprach halt etwas ganz anderes. Ein wütender Mike Tyson, der eine halbe Bar und im Duell mit Moppelchen Seagal das Inventar zerlegt, das ist doch eigentlich vielversprechend. Schade jedoch, dass man jene Szene - die eben auch die Aufmerksamkeit auf den China Salesman lenkte - direkt in den ersten 20 Minuten verbrät. Das Ganze ist zwar recht Stakkato-artig in seiner Schnittfolge, macht aber irgend wie Laune. Gerade vielleicht auch deshalb, da "Big Bad Mike" zu einem gewissen Overacting neigt und mit „Pausbäckchen Seagal" augenscheinlich gut harmoniert. Zwar lässt Steven Seagal wieder wild seine Hände durchs Bild fliegen und zeigt sein Gesicht wieder nur in den Nahaufnahmen ::: aber das kennen wir ja von seinen letzten Ergüssen, bei denen er bereits gerne das Double agieren lies. Konstatieren darf man aber, das die „Hau drauf“ Action zumindest im Ansatz bemüht in Szene gesetzt wurde, wenn auch die Schnitte etwas zu hektisch wirken.

Nach der Keilerei war es das dann auch vorerst mit den guten Steven Seagal, der sich dann erst zum Ende hin und ohne weiteren Actionszenen zurückmeldet. Bis dato wird der geneigte Zuschauer auch im Unklaren gelassen, auf welcher Seite der überhaupt steht. Selbiges gilt für Tyson, der zwar gen Ende mit seinem Panzer nochmal für die ein oder andere Sequenz sorgt, doch das Szenario wird im Grunde an die eigentliche Hauptperson abgegeben; Yan Jian wird von seinen chinesischen Geldgebern beauftragt, einen recht lukrativen Deal im Bereich des Mobilfunks abzuschließen - und das in einem afrikanischen Kontinent, der vor kurzem noch im tiefsten Bürgerkrieg steckte. Aber wie das nunmal so ist, wenn China im westlichen Metier wildern möchte ... der Westen hat was dagegen und möchte den Abschluss verhindern. Für jenen Fall hat sich ein recht unangenehmer französischer Agent einen Söldner und vertrauten afrikanischen Stammesführer in die eigenen Reihen geholt, damit man den Chinesen zuvor kommen kann. Ein neuer Bürgerkrieg wird in dem Zusammenhang wiederum forciert ...

China Salesman © Eurovideo
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Nur kurz in Szene gesetzt: Steven Seagal

Das klingt nicht nur indirekt nach „dezenter“ Propaganda, das ist es mitunter wohl auch ... warum also wurde der Film auch sonst von den Ministerien Chinas mitfinanziert um so das Debüt von Tan Bing zu unterstützen, welches mit 20 Mio Dollar beziffert wird. Rein visuell ist das ganze dabei recht ansehnlich ... da hat man mitunter echt gute Perspektiven in kräftigen Farben, die das Land und seine Reize durchaus positiv zur Geltung bringen. Großes Manko ist neben der viel zu langen Laufzeit von ca. 110 Minuten, dass der Film nicht weiss ob der jetzt Actionfilm oder Wirtschaftsthriller sein will. Für einen Actionfilm bietet jener zu wenig (die Handkantenprügelei in de Bar ist in 2 Minuten zu Ende) und für einen waschechten Wirtschaftsthriller ist er viel zu undynamisch in Szene gesetzt und wirkt sehr konstruiert. Manche Szenen wirken etwas lieblos und wenig zusammenhängend aneinandergereiht, so dass man sich als Zuschauer fragt, welcher Bezug jetzt gemeint und hergeleitet werden muss.

Das was der Trailer auch andeutete, trifft dann auch im großen und ganzen auf den Film zu. Die Auseinandersetzung mit Seagal und Tyson ist das Beste und professionellste am Film und ist auch ansprechend in Szene gesetzt. Das hat man so gut gemacht, dass man die Behäbigkeit, mit der sich Seagal seit Jahren durchs Bild quält nicht einmal vehement wahr nimmt. Irgendwie ist es schade und alles wirkt eher nach weder "Fisch noch Fleisch“, wobei ja die Ansätze gut sind und der Film einen echt wertigen und professionellen Look inne hat. Li Dong-xue als „China Salesman“ verkörpert seine Rolle glaubwürdig, während „Iron Mike“ oft so wirkt, als wüsste er garnicht, was er am Set zu suchen hat.

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  • China Salesman<br>© Eurovideo
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China als globale Macht stellt sich dem angreifenden Westen und das eher unzivilisiert anmutende Afrika, dient als große Showbühne für die ein oder andere fragwürdigen Weltanschauung ... mitunter eine nicht sehr repräsentative Ansicht, die man hier vermitteln möchte. Auch wirken solche Szenen, wie das Verhindern einer rituellen Beschneidung an einem Baby durch den Salesman - mitten in der Wüste natürlich -, nicht nur unnötig; sondern lassen schon so etwas wie filmischen Rassismus hochkeimen.

Das gibt die Blu-ray her


Die Bild und Tonqualität ist dabei recht gut ausgefallen. Kontrast und Farben kommen recht eindrucksvoll daher. Soundmäßig gib’s ebenfalls keinen Grund zur Klage: sehr vordergründig und mitunter viel Wirkungsgrad über den Stereoton, aber recht dynamisch - allen voran kommt dies in der Barszene gut zum Einsatz. Auch die Kriegssequenzen muten druckvoll an, so dass auch der Surroundsound etwas Arbeit bekommt. Leider gibts auf der Disc kein Bonusmaterial.

Fazit


Lässt man die äußerliche Propaganda mal außen vor, so ist der Film handwerklich und auf auf der visuellen Ebene kein schlechter Film. Der indirekte Versuch, die westlichen Fans mit einen neuen „Seagal“ zu ködern ist natürlich legitim,aber im Grunde ein mehr als irreführender Aspekt. Der Film hat durchaus seine Momente und auch ganz klar visuellen Reize, hat gute und auch bemühte Protagonisten. Allerdings leider auch einen Regisseur, der mit der Fülle an zu verarbeitenden Informationen überfordert war - ausserdem schadet die lieblose Schnittfolge dem Film zusätzlich. Dabei waren gewisse Ansätze und die originelle Story doch ein guter Auftakt, samt visuell starker Auftritte von Tyson und Seagal, die danach aber im Grunde kaum noch Präsenz zeigten. Schade, aber für einen Seagal erwarte ich bei aller Behäbigkeit des einstigen Actionstars, dann doch deutlich mehr.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
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