Children of Men
Artikel vom 09.05.2011 | Heimkino->DVD

CHILDREN OF MEN



Eine DVD-Kritik


Nach Katastrophen, wie dem Super-Gau in Fukishima stellt sich die Frage nach der Zukunft der Menschheit, oft als Frage nach dem Überleben der Menschheit. Mit Children of Men lässt uns der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón, der auch für Harry Potter und der Gefangene von Askaban und Pans Labyrinth verantwortlich war, schon mal einen Blick werfen auf ein mögliches Ende unserer Spezies.

Mediafacts
Children of Men
Cover: Children of Men
Titel: Children of Men
Originaltitel: Children of Men
getestete Version: DVD
Cast: Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine
Regie: Alfonso Cuarón
Produktionsland: Deutschland
Studio/Verleih: Universal/DVD
DVD-Release: 2007
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 106 Minuten
Format: Dolby, PAL, Special Edition, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Kurze Filmbeschreibung


Im Jahr 2027 steht die Welt vor dem Untergang. Die Zukunft der Menschheit scheint aussichtslos. Der jüngste Mensch ist schon 18 Jahre alt und weiterer Nachwuchs scheint nicht mehr möglich. Dort, wo die Zukunft stirbt, stirbt auch die Gegenwart. Atomare Verseuchung, Terrorismus und Anarchie bedrohen die Zivilisation. England versucht die Ordnung aufrecht zu erhalten, was zufolge hat, das sich das Königreich zu einem unmenschlichen Polizeistaat entwickelte. Besonders hart kriegen das die vielen illegalen Einwanderer zu spüren, die in Lagern zusammen getrieben werden. Theo (Clive Owen), der früher mal gegen die herrschenden Verhältnisse ankämpfte, begegnet dem Chaos mit der Normalität seines Bürojobs, Fatalismus und Schnaps im Kaffee. Seine Vergangenheit holt ihn ein, als eine schwangere Frau (Clare-Hope Ashitey) gefunden wird. Seine Ex-Frau Julian (Julianne Moore) bittet ihn um Hilfe, die Schwangere vor Militärpolizei und Aufständischen in Sicherheit zu bringen. Der Weg führt sie durch die urbanen Kriegsschauplätze eines Flüchtlingslagers. Das Lebens des ersten Neugeborenen und somit die Hoffnung der Menschheit liegt in Theos Händen.

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Das meint onyourscreen.de zum Film


Regisseur Alfonso Cuarón entwirft einen Alptraum, in dem die Menschheit ihr Schicksal längst nicht mehr in den Händen hält und verfolgt dabei bis ins kleinste Detail einen schonungslosen Realismus. Vielmehr als ein Blick in die Kristallkugel auf das Jahr 2027 lässt sich der Film als ein Spiegel der Gegenwart verstehen. Die Katastrophen der entworfenen Endzeit, sind die Bedrohungen unserer Zeit. Zugegeben, man muss Cuarón den Gedanken abkaufen, dass die Menschheit ihre Fruchtbarkeit verliert – bei dem explosionsartigen Anwachsen der heutigen Weltbevölkerung nicht ganz leicht. Für die Geschichte ist der Gedanke jedoch notwendig, denn er macht das Gefühl der Aussichtslosigkeit der eigenen Lage, die heute nur den Ärmsten vorbehalten ist, zu einem globalen Problem. Lässt man sich darauf ein, bietet sich uns eine fremde Realität, die paradoxerweise auch unsere Realität ist. Die Bilder der verzweifelten Flüchtlinge, des sozialen Gegensatzes zwischen Arm und Reich, der Terroranschläge – das alles kommt einem doch sehr bekannt vor. Nun ist diese Art von apokalyptischer Endzeitvision sicherlich nicht neu. Children of Men ist aber innerhalb des Genres dank meisterhafter Kamera- und Schnitttechnik eine Ausnahmeerscheinung. Bisher einzigartig ist wohl die Verbindung von Science-Fiction und super realistischer Kampf- und Actionszenen, die bisher eher typisch waren für Kriegsfilme, wie Der Soldat James Ryan oder Black Hawk Down. Die wackligen Handkamera-Aufnahmen von Verfolgungsjagden und Kampfszenen, die minutenlang ohne Schnitt auskommen und sogar auch mal Dreck- oder Blutspritzern auf dem Objektiv einfangen verleihen dem Film schon fast dokumentarischen Charakter und versetzen den Zuschauer in die Mitte des Geschehens.

Beängstigend Realistisch


Was den Film darüber hinaus so beängstigend realistisch macht: Regisseur Cuarón verzichtet auf überflüssiges futuristisches Design. Elektronischer Schnickschnack, und künstliche Sci-Fi Fassaden à la I, Robot sucht man vergebens. Im Gegenteil, die Figuren tragen die Kleidung und leben in den Häusern von Heute. Seine Vision besteht aus dem konsequent weiter gedachten Verfall der Gegenwart, der logisch nachvollziehbar eintritt, wenn die Hoffnung auf ein Morgen stirbt. Lediglich die unbekannten Automodelle erinnern den Zuschauer hin und wieder daran, das wir uns im Jahr 2027 befinden. Nichts aber erweckt den Eindruck, das die entworfene Zukunft nicht zur eigenen werden könnte. Die hervorragende Kulisse setzt noch einen drauf. Dass die beklemmenden Drehorte in England, die europäisch geprägten teils völlig zerstörten Häuserfassaden, die menschenverachtende Ghetto-Szenerie wie eine Reminiszenz an Bilder des 2. Weltkrieges erscheinen, verfehlt ihre Wirkung nicht: Die Vorhölle, in der sich Theo und Co. befinden könnte real sein, denn sie war bereits real.


Onyourscreen.de-Fazit zu CHILDREN OF MEN


Ein Film so erschreckend und real wie eine Ohrfeige. Mit Clive Owen, Julianne Moore, und Michael Caine (auch als kiffender Hippie-Eremit!) hervorragend besetzt und von Regisseur Alfonso Cuarón meisterhaft in Szene gesetzt. Die Oscar-Nominierungen für beste Kamera und bester Schnitt sind aufgrund der aufwendigen technischen Umsetzung allemal gerechtfertigt.
Die DVD-Special Edition kommt mit einer Bonus-DVD, samt umfangreichem Zusatzmaterial über Darsteller, Hintergrund-Story und Special Effects daher. Und wer trotz allem Realismus die Vorstellung für unlogisch hält, dass der Menschheit der Nachwuchs ausgeht, sollte sich mal fragen, warum wir mit unserer Welt jetzt schon so umgehen, als ob es so wäre.

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© Text: onyourscreen.de / MAD


 
 
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