Cannibal Girls © Anolis Entertainment
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Artikel vom 04.02.2014 | Heimkino->Blu-Ray

Cannibal Girls



Der Film mit der Warnglocke


Kino-Gimmicks. Toll! Das bekannteste davon ist sicherlich das heute wieder aktuelle "3D". Doch es gab schon andere Methoden, oder sollten wir besser sagen Marketingmaschen, um Filme für das Publikum interessanter zu machen. Wie wäre es beispielsweise mit "Sensurround", das Universal nutze, um via tieffrequenter Töne Vibrationen während der Vorführungen zu ihrem Katastrophenfilm Earthquake zu erzeugen. Oder die vollmundig "Odorama" getauften Scratch'n'Sniff Cards im Film Polyester, die erlaubten sich bestimmte, meist wenig leckere Gerüche während der Vorstellung zur Nase zu führen. Oder schwebende Geister im Filmsaal, Vibrationen im Kinosessel, Warnglocken ... Warnglocken? Und da wären wir bei Cannibal Girls - Der Film mit der Warnglocke.

Mediafacts
Cannibal Girls © Anolis Entertainment
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Cover A: Cannibal Girls
Titel: Cannibal Girls
Originaltitel: Cannibal Girls
getestete Version: 3-Disc Mediabook
Cast: Eugene Levy, Andrea Martin, Ronald Ulrich
Regie: Ivan Reitman
Produktionsland: Kanada
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2014
Produktionsjahr: 1973
Spieldauer: 84 Minuten
Sprache: Ton: Deutsch/Englisch DTS-HD MA 2.0 Stereo
Regioncode: 2
FSK: ab 16 J

Filmkurzbeschreibung


Clifford und Gloria stranden mit ihrem defekten Auto nahe der Kleinstadt Farnhamville. Die beiden Jungverliebten beschließen ihren Wagen vor Ort reparieren zu lassen und in dem ziemlich einsamen Nest zu nächtigen. Auf eine Empfehlung hin suchen sie das kleine Restaurant auf, das etwas abseits liegt und schwer zu finden ist. Dort angekommen gruselt es die beiden recht schnell und schon bald wird Gloria und Cliff klar, dass das "Feinschmeckerlokal" der drei degenerierten Schönheiten Anthea, Clarissa und Leona und des ziemlich durchgeknallten Reverent Alex vor allem deshalb so beliebt ist, weil dort die Leibspeise der Stadtbewohner auf der Karte steht: Menschenfleisch in allen Variationen.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Wenn man den "König der leichten, komödiantischen Unterhaltungsfilme" Ivan Reitman, Erschaffer von Filmen wie Babyspeck und Fleischklößchen, Ich glaub’, mich knutscht ein Elch, Kindergarten Cop, Dave, Ghostbusters, Junior oder Twins, mit irgendwas NICHT in Verbindung bringt, dann mit einem kanadischen Exploitationfilm. Und doch war Cannibal Girls der erste "richtige" Film der beiden Freunde Ivan Reitman und Daniel Goldberg, nach diversen Schul- und Studienprojekten. Das der umtriebige Kanadier Reitman seine filmschaffenden Finger auch bspw. in Cronenbergs Parasiten-Mörder hatte, dürfte aber genügend belegen, das er seinerzeit auch anderes, als simpel gestrickte Komödien im Sinn hatte.

Cannibal Girls © Anolis Entertainment
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Aushangfotos zu Cannibal Girls

Cannibal Girls sollte eigentlich ein Schnellschuss werden, flott und billig produziert um möglichst hohen Profit zu erwirtschaffen. So zumindest der Plan von Reitman und Goldberg. Mit einem rudimentären Script das viel Platz zum Improvisieren lassen sollte (und tat), geliehenem Filmequipment, unbekannten Akteuren, einem fünfstelligen Dollarbetrag und viel Enthusiamus ging man im eiskalten Aurora, Kanada ans fleischfressende Werk. Doch die Probleme häuften sich, die Dreharbeiten zogen sich hin und aus der geplanten "Cash Cow" schien ein finanzielles Fiasko zu erwachsen. Viel später als geplant, unter mehr als knappen Umständen und mit viel, viel Glück, bekam der "König des Low-Budget-Films" Samuel Z. Arkoff, Kopf von AIP, eine Kopie des Streifens zu sehen, erkannte Potential und kaufte die Rechte an Cannibal Girls für kolportierte 50.000 Dollar und einem kleinen Prozentsatz der Umsätze.
Das Marketing von AIP (American International Pictures) war anscheinend wenig überzeugt von der kanadischen Exploitationperle und überlegte sich, das nicht neue, aber wirksame Gadget der "Warnglocke" in den Film zu bauen. So sollte Cannibal Girls nach aussen hin haarsträubender wirken, als er es tatsächlich war. Bei jeder für den Gorehound interessanten Szene, erklang also fortan ein entsprechender Glockenklang, ein andere Ton stand für die "Entwarnung" - man durfte also wieder hinsehen. Dieses Gimmick macht Cannibal Girls bis heute zu einem beliebten und begehrten Exponat bei Fans des Genres, der Film selbst hätte es vermutlich alleine nicht geschafft ... Geschafft haben es aber die zwei, hier kaum wiederzuerkennenden Hauptdarsteller: Sowohl Andrea Martin als auch Eugene Levy wurden zu vielbeschäftigten, bekannten TV-Film-, Serien- und Kinodarstellern. Eugene ist uns allen bestens bekannt als Jim's Vater aus der Filmreihe American Pie.


Das mein Onyourscreen.de zum Mediabook


Das hochwertige Anolis-Mediabook zu Cannibal Girls, erscheint am 31. Januar 2014 und kommt in zwei stark limitierten Cover-Varianten daher. Cover A zeigt das US-Plakat und ist auf 750 Stück limitiert. Cover B ziert das deutsche Artwork und wurde auf 500 Stück limitiert. Neben dem integrierten, 28-seitigen Booklet befinden sich drei Discs im vermutlich rund 30 Euro teuren Mediabook. Disc 1 präsentiert den Film neu-restauriert auf Blu-ray, Disc 2 das ganze als DVD. Natürlich darf man den Film MIT und OHNE Warnglocke anschauen - selbstredend. Als Extras warten (auf beiden Discs) die Featurettes „Cannibal Guys“ und „Meat Eugene“, ein Audiokommentar mit Ingo Strecker und Thomas Kerpen (auch wenn das weniger ein Kommentar zum Film an sich ist, sondern eher ein Gespräch über die Umstände drumherum), sowie eine interessante Einleitung von Lynn Lowry. Disc 3 beinhaltet die so betitelte Grindhouse-Version, eine unbearbeitete Abtastung einer alten deutschen 35mm Kopie. Die weckt sicherlich die eine oder andere, nicht rausch- und kratzerfreie Erinnerung.

Cannibal Girls © Anolis Entertainment
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Anolis bietet das Mediabook in zwei Cover-Variationen an

Das Onyourscreen.de-Fazit zu Cannibal Girls


Ohne Frage, es macht einen Heidenspaß eine solch exzellente Veröffentlichung in den Händen zu halten, durchzublättern und sich Version für Version und Extra für Extra anzusehen. Da interessiert es auch nicht so wirklich, das der Film an und für sich eher weniger "bedeutsam" daherkommt. Nein, Cannibal Girls ist kein Film den man gesehen haben muss! Als Fan von hochwertigen Veröffentlichungen im Horror- bzw. Exploitationfilm-Segment allerdings, muss man dieses gelungene, aber nicht ganz günstige Mediabook sein eigen nennen. In unserem Regal bekommt Cannibal Girls - Der Film mit der Warnglocke auf jeden Fall einen Ehrenplatz.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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