Richard Laymon, Licht aus!
Artikel vom 30.07.2012 | Infos und Gewinnspiele

Buchkritik: LICHT AUS!




Warum eine Buchkritik?
Nun, da wir uns ja eher am Rande bzw. abseits des Mainstreams mit unserem Magazin onyourscreen.de bewegen, haben wir auch sicherlich den einen oder anderen Horror-, Gore- oder Splatterfilmfan unter unseren Lesern. Und um mal zu schauen, woher denn die Ideen für soetwas kommen könnten, nehmen wir uns ab und an auch mal das eine oder andere literarische Werk von einschlägigen Verlagen vor. Dieses Mal hat uns "Festa" ein Exemplar des Richard Laymon Horrorwerk "Licht aus!" von 1982 zur Verfügung gestellt das Band 50 in der Reihe Horror-Tschenbuch darstellt, und wir haben es gelesen.
Snuff-Movies für provozierende Literatur oder auch Filme herzunehmen, ist eine typische 80er Jahre-Erfindung. Der "Mythos Snuff", früh geprägt durch den argentinischen Streifen El Ángel de la muerte - in dem laut einer fingierten Marketingaussage ein realer Mord gezeigt wurde - stammt gar schon aus 1976. Im heutigen Internetzeitalter, in dem bereits Kids die Webseiten mit dem fiesesten Realhorror fröhlich via Smartphone, Facebook und Co. verbreiten, wirkt das leider nahezu antiquiert. Aber da wir hier von einem Roman aus dem Jahr 1982 sprechen, den Horrorspezialist "Festa" (Homepage Festa-Verlag) ins Verlagsprogramm aufgenommen hat, wollen wir mal sehen, ob das Thema auch heute noch zum spannenden, schockenden Lesevergnügen taugt.

Kurzbeschreibung: Licht aus!


Richard Laymon, Licht aus!
Licht aus!
Brit und Pete schauen sich im "Spukpalast", einem wiedereröffneten Kino das früher viel passender "Helsingor" hieß, während einer Horrorfilmreihe auch den Kurzfilm "Schreck, der Vampir" an. Während der Vorstellung kann es Brit kaum fassen: Ist das Mädchen, dem man in dem extrem realistisch wirkenden Streifen die Kehle durchschneidet, nicht ihre Freundin Tina? Was hat sie da zu suchen, seit wann ist Tina eine Schauspielerin?
Hier ahnt Brit noch nicht, dass auch sie bald die Hauptrolle in einem solchen Snuff-Movie spielen wird.

Ist Snuff heute noch spannend?


Bereits 1982 brachte der leider 2001 verstorbene Richard Laymon das Werk Licht aus! (Originaltitel: Out are the Lights) heraus. Der mit dem 1980 erschienenen Horrorwerk The Cellar doch recht berühmt gewordene Autor, packte hier das Thema Snuff-Video ein Jahr vor dem heute unter Kultstatus stehenden David-Cronenberg-Film Videodrome an (Mehr zu Cronenberg und seinen Filmen unter Cronenberg-Filme on your screen.

Die Snuff-Kurzfilme um Otto Schreck (mal als "Vampir", mal als "Irrer Arzt") um die sich die Story dreht, werden in Laymons Werk drehbuchähnlich geschildert, je in einem eigenen Kapitel. Sie sind kurz und nicht wirklich ausufernd, was den Hardcore-Fans die nach ultrablutigen Umschreibungen geifern unter Umständen so nicht gefallen dürfte. Auch der Rest der durchaus spannenden Geschichte, die erst spät am Ende zusammenläuft und intelligent aufgelöst wird, ist jetzt nicht unbedingt was für Splatterfans. Nicht falsch verstehen, das ist kein harmloses Büchlein, sondern schon harter Stoff der auch vor pornographischen Schilderungen nicht halt macht, aber so wirklich schocken konnte das vermutlich selbst in den 80ern keinen. Aber das muss es ja auch überhaupt nicht.

Fazit: Kommt zielstrebig zur Sache


Richard Laymon hat mit Licht aus! ein spannendes Werk verfasst, das die Charaktere wirklich gut einführt und den einen oder anderen "Hauptdarsteller" gar symphatisch hinterlässt, was das Lesen durchaus angenehm macht. Seine bei anderen Werken eher ausufernde, etwas träge Schreibe, kann man ihm bei dem flott bis rasant dahinfließendem Werk wahrlich nicht unterstellen. Hier kommt man zügig zur Sache und ebenso zügig hat man die grotesk-unterhaltenden 270 Seiten hinter sich gelassen.
Es gibt Stimmen die meinen das dieses Buch nicht zum Einstieg in Richard Laymons immerhin 50 Bände umfassendes Gesamtwerk taugt, das mag sein. Zum Einstieg in die Welt der Horrorliteratur taugt es aber definitv. Und jetzt: Licht aus, Kerze an und lesen!

Richard Laymon wurde am 14. Januar 1947 in Chicago geboren. In den Sechzigern zog seine Familie nach Südkalifornien. Er machte den BA in Englischer Literatur an der Willamette Universität in Oregon und einen MA an der Loyola Universtät in Los Angeles. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich zunächst als Lehrer, Bibliothekar und Gutachter für ein Anwaltsbüro.
Erste kürzere Werke, zumeist Thriller oder Kriminalgeschichten, erschienen zu Beginn der 1970er in Magazinen wie Ellery Queen, Alfred Hitchcock und Cavalier. Bereits damals verwendete Laymon, vorsichtig zunächst noch, Elemente des Grotesken und Bizarren. Erst Anfang der Achtziger begann er mit dem Schreiben geradliniger Horrorstories, ohne sich explizit um Genregrenzen zu kümmern. Der Roman The Cellar (1980) entwickelte sich zum Bestseller in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, stand monatelang in Bestsellerlisten und wurde ins Italienische, Französische, Spanische, Bulgarische und Deutsche übersetzt. Zahllose Taschenbuch- und selbst Hardcoverausgaben machten den Titel um das Beasthouse in Malcas Point zum erfolgreichsten des Autors.
Laymon schrieb etwa 50 Romane und sein Ruf wuchs beständig, als er am Valentinstag, den 14. Februar 2001, völlig unerwartet an einem Herzanfall starb.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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