Borgman © © 2014 Pandastorm Pictures GmbH
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Artikel vom 24.01.2015 | Heimkino->Blu-Ray

Borgman



Rätselnd allein gelassen ...


Unberechenbar, grundlos, verwirrend, beängstigend, non-dechiffrierbar, irreführend, irrational, seltsam, böse ... alles Attribute für Borgman, der als erster niederländischer Spielfilm seit Jahrzehnten auf zahlreichen internationalen Filmfestivals ausgezeichnet wurde. Doch was ist dieser Film überhaupt? Ein Thriller? Ein Home Invasion Gruseler? Mystery Horror? Gesellschaftliche Anklage? Eindeutige Antwort: wir wissen es nicht!

Mediafacts
Borgman © © 2014 Pandastorm Pictures GmbH
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Blu-ray-Cover: Borgman
Titel: Borgman
Originaltitel: Borgman
getestete Version: Blu-ray
Cast: Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval
Regie: Alex van Warmerdam
Produktionsland: Niederlande
Studio/Verleih: Pandastorm Pictures
DVD-Release: 2015
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 113 Minuten
Sprache: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Niederländisch/Englisch (DTS-HD MA 5.1)
Regioncode: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Auf der Flucht vor einer Gruppe brutaler Männer sucht der geheimnisvolle Landstreicher Camille Borgman Unterschlupf bei der wohlhabenden Familie van Schendel. Vom Familienvater Richard zunächst verjagt, kehrt Borgman zurück und verzieht sich heimlich ins Gartenhaus des Anwesens. Richards Ehefrau Marina bietet dem Fremden unkompliziert Hilfe an und ein warmes Bad. Marina fühlt sich zunehmend von ihm angezogen und will nicht zulassen, dass er die Familie wieder verlässt. Kurz darauf verschwindet der Gärtner auf mysteriöse Weise, Borgman schleicht sich mit neuer Identität in die Mitte der Familie und nistet sich ein. Nun geraten auch die Kinder in seinen perfiden Bann, eine kaltblütige Manipulation beginnt.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Die Synopsis liest sich ja relativ klar und einfach, aber wie zu Beginn schon angedeutet, verhält es sich mit Borgman ganz anders. Der Anfang, als Camille (Borgman) von drei bewaffneten Männern aus seinem unterirdischen Versteck vertrieben wird und seine mit ihm vernetzten, ebenfalls unter der Erde hausenden Kumpane warnt, gibt einem bis zur Hälfte des Films Anhaltspunkte für Spekulationen. Doch immer wieder werden diese Spekulationen über den Haufen geworfen, durch neue Skurrilitäten der Handelnden zerstört. Überhaupt lebt der surreale Film davon, dem Zuschauer Rätsel aufzugeben, Gedankenspiele zu erlauben und diverse Auflösungsszenarien entwickeln zu lassen. Traum und Realität scheinen klar getrennt, fraglich ob sie es sein sollen? Wer allerdings von einem Film möchte, das dieser ihn am Ende mit einer Lösung befriedigt entlässt, sollte die Finger von Borgman lassen.

Borgman - Borgman (Jan Bijvoet) und seine Getreuen Ludwig (Alex van Warmerdam), Pascal (Tom Dewispelaere), Brenda (Annet Malherbe) und Ilonka (Eva van de Wijdeven) verfolgen einen kaltblütigen Plan. © © 2014 Pandastorm Pictures GmbH
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Borgman (Jan Bijvoet) und seine Getreuen Ludwig (Alex van Warmerdam), Pascal (Tom Dewispelaere), Brenda (Annet Malherbe) und Ilonka (Eva van de Wijdeven) verfolgen einen kaltblütigen Plan.
Auch die Intention der Macher, ihre Aussage, ihre Botschaft ist völlig unklar - zumindest uns. Gut, die Familie bei der sich der Vagrant einnistet, scheint wissend wohlhabend zu sein und ist sich dessen bewusst. Dafür spricht das Rollenverhalten, diverse Aussagen ("Wir müssen uns nicht schämen reich zu sein"), die dänische Nanny ("Wir sind hier nicht in Dänemark, Stine"), der fiese Bunkerbungalow, der Gärtner, der (nicht mehr junge) Jaguar nben dem Mini im Carport. Damit einher geht des Hausherrn Roland aggressives Auftreten, das sich nicht nur darin zeigt, das er Camille zu Anfang brutalst verprügelt, als der vor ihrer Tür auftaucht. Auch die klaren Aussagen bei den Vorstellungsterminen für den neuen Gärtner ("Die haben uns einen Neger geschckt!") zeigen ihn als Rassisten und Despoten. Dagegen steht das sozial wirkende Gehabe der gelangweilt scheinenden Hausherrin und Möchtegern-Künstlerin Marina, die sich nur allzu gern dem perfiden Spiel des später nicht mehr gammeligen Invasoren beugt, ja sich gar seiner bedient. Ist das als Gesellschaftsanklage zu verstehen?

Borgman -
Wirklichkeit oder Wahnsinn? Marina (Hadewych Minis) verliert immer mehr die Kontrolle. © © 2014 Pandastorm Pictures GmbH
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Wirklichkeit oder Wahnsinn? Marina (Hadewych Minis) verliert immer mehr die Kontrolle.
Auch der Familien-Invasor, Camille - großartig gespielt von Jan Bijvoet - beugt sich keiner Norm. Wenn er mit seiner einschmeichelnden Stimme unverhofft "Ich bin hier"-säuselt oder den Kindern alptraumhafte Geschichten erzählt, ob er völlig unaufgeregt tötet oder sich als Gärtner bewirbt - nie hat man das Gefühl, ihn zu durchblicken. (Camille) Borgman schürt im Zuseher ungewöhnliche Ängste. Borgman (der Film) kann einem Angst machen, ob er das will und soll, muss man selbst herausfinden.


Regisseur Alex van Warmerdam © © 2014 Pandastorm Pictures GmbH
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Regisseur Alex van Warmerdam machts dem Zuscchuaer nicht einfach

Das Onyourscreen.de-Fazit zu Borgman


Borgman lässt einen rätselnd allein. Gut und schön wenn man bei einem Film die eigenen Gehrinwindungen grübeln lassen kann, doch ein klein wenig mehr "Führung" hilft die Absichten der Macher zu transportieren. Diesen Hauch von "hier solls lang gehen, das wollen wir euch vermitteln" vermisst man bei Borgman. Zuviele Ideen, Versatzstücke, seltsame Charaktere und too much Interpretationsspielraum in nahezu jeder Szene und jeder Einstellung - das kann einen Film auch kaputt machen. Und trotzdem fühlten wir uns lange von Borgman fasziniert, hofften wir bis zum Schluss auf zumindest eine Teil-Dekodierung des Gesehenen. Das wurde uns versagt oder wir haben beim Entschlüsseln des Streifens einfach versagt - und trotzdem kommen wir nicht umhin, den ungewöhnlichen niederländischen Film jedem aufgeschlossenen Filmfan auf die Must-see-Liste zu setzen. Warum? Ehrlich gesagt, wissen wir es nicht!

Leider gibt einem die DVD/Blu-ray nicht mehr als ein gutes Bild, guten Ton, ein paar Deleted Scenes und einen Trailer mit an die Hand - nichts was einem bei der Deutung des Werks vom (mitspielenden) Regisseur Alex van Warmerdam hilft.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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