American Psycho
Artikel vom 05.08.2011 | Heimkino->DVD

AMERICAN PSYCHO



Die Gier nach Blut


„Die Gier nach Blut“, was zunächst wie ein weiterer Vampir-Film anmutet, ist in Wahrheit die Lust eines jungen New Yorker Investmentbankers am brutalen Morden. Während der „Yuppie“ tagsüber dem Ruf der Elite-Gesellschaft folgt, begeht er nachts die abscheulichsten Verbrechen... doch wer hier nur einen eintönigen Horrorfilm vermutet, der sei gleich eines besseren belehrt! Um es vorweg zu nehmen, American Psycho ist ein filmisches Meisterwerk, das sicherlich ganz untypisch für dieses Genre auch noch von einer Regisseurin in Szene gesetzt wurde... wer hätte es gedacht...

Mediafacts
American Psycho
Cover: American Psycho
Titel: American Psycho
Originaltitel: American Psycho
getestete Version: DVD
Cast: Christian Bale, Justin Theroux, Josh Lucas, Chloë Sevigny, Reese Witherspoon, Jared Leto
Regie: Mary Harron
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Kinowelt GmbH
DVD-Release: 2001
Produktionsjahr: 2000
Spieldauer: 102 Minuten
Format: Dolby, DTS, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 2.0), Deutsch (DD 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (DD 2.0), Englisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 4:3 - 1.33:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Kurze Filmbeschreibung: American Psycho


Patrick Bateman, der bei Tage das Leben eines Vorzeige-Investmentbankers führt und sich damit zur sozialen Elite berufen fühlt, hat ein perverses Doppelleben. Von seiner Gier nach Gewalt und Blut getrieben lässt Bateman bei Dunkelheit seine Maskerade als braver Banker fallen und bringt wahllos Obdachlose, Prostituierte und Kollegen um. Mit Freunden feiert er exzessive Partys und verfällt dem Drogenkonsum. Wie im Rausch wird er dabei von einem Mord zum nächsten getrieben. Doch Bateman wird immer unvorsichtiger und wird beinahe von der Polizei überführt. Und immer mehr verwischen sich die Grenzen zwischen Wahn und Realität, so auch als Bateman seinem Anwalt seine mörderischen Taten gesteht...

This is not an Exit


Patrick Bateman hat in seinem Leben alles erreicht, ist reich und kann ein sorgenfreies Leben führen. Doch in seinem Leben macht sich Langeweile und Leere breit, die er mit Sex, Gewalt und vor allem Mord zu füllen versucht. Im Rausch der Drogen verliert sich Bateman dabei immer mehr: „Meine nächtliche Gier nach Blut ist in meine Tage hineingeflutet, ich fühle mich tödlich, am Rande der Raserei. Meine Maske der Zurechnungsfähigkeit ist im Begriff herunter zu rutschen.“
Natürlich bleiben im Film dabei auch die Seitenhiebe auf die Oberflächlichkeit der feinen Elite-Gesellschaft, in der sich Bateman bewegt, nicht aus. Äußerst sozialkritisch und satirisch blickt der Film auf den Materialismus und die Schein-Welt dieser Gesellschaft. Einer der Höhepunkte stellt dabei sicherlich die Szene dar, in der die Banker ihre neuen Visitenkarten untereinander vergleichen, und jeder die Seinige für die Prächtigste von allen hält (in Wirklichkeit sehen alle fast identisch aus). Neben diesem absurden Konkurrenzdenken scheint sich das Leben dieser Yuppies nur noch darum zu drehen, wie man erfolgreich eine Reservierung im Edel-Restaurant der Stadt bekommt und wo sich die besten Drogen konsumieren lassen.

„Ich hab Paul Allen getötet. Und ich fand es toll.“


Niemand will etwas von dem Doppelleben des Patrick Bateman ahnen, noch scheint ihn jemand ernst nehmen zu wollen. So beichtet der sadistische Massenmörder letztendlich seinem Rechtsanwalt seine Greueltaten: „Sie sollten wissen das ich eine Menge Leute umgebracht habe. Ein paar Hostessen in meiner Wohnung im Norden, ein paar Obdachlose vielleicht fünf oder zehn. Eine Studentin, die ich im Centralpark kennen gelernt habe, die liegt auf einem Parkplatz in der Nähe von einem Donut-Laden. Ich hab Befernie getötet - meine alte Freundin - mit einem Presslufttacker und einen Mann - 'ne alte Schwuchtel mit 'nem Hund. Letzte Woche, da hab ich noch ein weiteres Mädchen getötet - mit 'ner Kettensäge. Ich musste es tun die wär mir beinah entkommen. Und dann da war noch eine - ich kann mich nicht mehr erinnern - sie war vielleicht ein Model, aber sie ist auch tot. Und äh Paul Allen, ich hab Paul Allen getötet, mit einer Axt mitten ins Gesicht. Sein Körper löst sich in einer Badewanne in seine Bestandteile auf.“
Doch auch sein Anwalt glaubt ihm nicht, hält das Ganze für einen Scherz. Bateman hat schon lange den Sinn für Realität und Einbildung verloren. Fanden die Gewaltexzesse doch nur in seinem Kopf statt? Ein wirklich sehr intelligentes Spiel, dass hier von den Machern des Films betrieben wurde.

Christian Bale (bekannt aus Batman begins und Prestige – Die Meister der Magie) brilliert in der Darstellung des Psychopathen und eiskalten Serienmörders Patrick Bateman. Gepaart mit jeder Menge Ironie und dem teils recht obzönen Gedankengut des Wahnsinnigen, wurde hier eine Figur geschaffen, die sich selbst in Frage stellt: (Bateman) „Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion, abgesehen von Gier und Abscheu.“ Treffender lässt sich die Figur des Patrick Bateman wohl kaum charakterisieren.
Die Dialoge und auch die Monologe Batemans spielen auf einem hohem Level und spiegeln gekonnt die Langeweile des Patrick Bateman wieder. Auch eine gewisse Komik lässt sich dabei in manchen Szenen nicht verhehlen, so auch beim wiederkehrenden Running Gag „ich muss ein paar Videofilme zurück bringen“.

By the way...


Leonardo DiCaprio war übrigens auch für die Hauptrolle vorgesehen und Regisseur-Ikone Oliver Stone wurde mit der Regie in Verbindung gebracht, letztendlich nahm sich Mary Harron, (unter anderem Regie bei I Shot Andy Warhol) dem Projekt an und Christian Bale bekam die Hauptrolle zugesprochen - was unserer Meinung nach eine weise Entscheidung war – Bale als Massenmörder erscheint uns doch irgendwie authentischer als DiCaprio (der daraufhin übrigens die Hauptrolle in The Beach annahm und prompt dafür als „Schlechtester Schauspieler nomiert wurde). Auch die weitere Besetzung von American Psycho kann sich durchaus sehen lassen. Stars wie William Dafoe („Platoon“, „Spider-Man“) als Kommissar, Jared Leto (Frontsänger der Band 30 Seconds to Mars und bekannt aus Filmen wie „Fight Club“ und „Alexander“) und Reese Witherspoon („Pleasantville“, „Eiskalte Engel“ und „Walk the Line“) bereichern die Handlung auf angenehme Weise.

Fazit: Hart, aber brilliant


American Psycho ist ein wirklich gut inszenierter und intelligenter Thriller, der mit großer Wucht die bestialischen Fantasien Batemans übermittelt. Angelegt an den gleichnamigen Roman von Bret Easton Ellis, ist American Psycho eine gelungene filmische Adaption, die zwar zu schockieren vermag, aber keineswegs zum reinen Voyeurkino verfällt und jederzeit unterhaltsam bleibt. Dem sind auch die Schauspieler absolut zuträglich, allen voran Christian Bale. Gepaart mit einem üppigen DVD-Bonusmaterial - unter anderem Interviews, Goofs, Deleted Scenes, Music of the 80s, Trailer etc. - hat man hier ein abendfüllendes Programm, das zur ein oder anderen Diskussion im Nachhinein sicherlich anregt.
Ach ja, aber vergessen Sie nicht das Videotape wieder zurückzubringen!


© Text: onyourscreen.de / SN

 

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