Artikel vom 31.01.2011 | Heimkino->DVD

AMERICAN HISTORY X



Erschreckend, realitätsnah, brutal und rührend zugleich


In harten Bildern und ohne erhobenen Zeigefinger zeigt American History X den Irrtum rassistischen Denkens. Ein amerikanisches Werk als ambitioniertes, filmisches Statement gegen Rassismus mit überraschend viel Tiefe.

Mediafacts
Cover: American History X
Titel: American History X
Originaltitel: American History X
getestete Version: DVD
Cast: Edward Norton, Edward Furlong, Beverly D'Angelo
Regie: Tony Kaye
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Universum Film GmbH
DVD-Release: 2000
Produktionsjahr: 1998
Spieldauer: 114 Minuten
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.85:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Kurz-Filmbeschreibung


American History X erzählt die Geschichte zweier Brüder die in die Rechte Szene geraten sind.
Derek kommt ins Gefängnis, nachdem er zwei Schwarze, die sein Auto klauen wollten, brutal umgebracht hat. Sein jüngerer Bruder Danny glorifiziert ihn und wird selbst zu einem überzeugten Faschisten. Als er im Geschichtsunterricht mit dem jüdischen Lehrer wegen seines Aufsatzes zu Hitlers „Mein Kampf“ aneinander gerät, wird ihm eine letzte Möglichkeit gegeben, um nicht von der Schule zu fliegen: Er soll einen Aufsatz über seinen Bruder schreiben, der am selben Tag aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Danny soll sich damit auseinandersetzten, warum Derek zu einem führenden Mitglied der rassistischen White-Power Bewegung wurde. Derweil wächst Danny im gleichen Dunstkreis wie einst Derek auf und droht, den Weg seines Bruders zu beschreiten.

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Drei Jahre später, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, hat sich Derek radikal gewandelt. Er schämt sich seiner Vergangenheit, hat rassistischem und rechtsradikalem Gedankengut abgeschworen und will nun seine Familie vor Gewalttätigkeiten und möglichen Racheakten beschützen. Verzweifelt kämpft er um seinen jüngeren Bruder, der während seiner Abwesenheit versucht hat, in seine Fußstapfen zu treten und weitgehend unter dem Einfluss einer rechtsradikalen Organisation steht.

Mutig und provokant ist das Spielfilm-Debüt des Werbe-Regisseurs


American History X ist mit Sicherheit eines der wichtigsten Dramen überhaupt. Die Neonaziszene wurde von Regisseur Tony Kaye in noch nicht da gewesener Weise thematisiert und überzeugend umgesetzt. Inzwischen ist der Film aus dem Jahre 1998 legendär, da er der einzige bekannte ist, der sich ernsthaft mit der Neonaziszene in den USA beschäftigt. Die Thematik der unrühmlichen Zustände in der Gegenwart und noch vor der eigenen Haustür sind Mangelware und zumeist doch nur typische Schwarz-Weiß-Malerei. Eine der gelungenen Ausnahmen stellt American History X dar. Die ungebremste Wirkung wird vor allem durch die erschreckend überzeugenden, von rassistischen und nationalistischen Gedankengut geprägten Reden von Derek verursacht. Edward Norton, der die Rolle des Derek übernimmt, trägt den Film und ist in jeder Phase absolut überzeugend. Er schafft es einerseits, den gewalttätigen und radikalen Nazi zu spielen und nach seinem Wandel zu einem echten Sympathieträger zu werden.

Backcover: American History X
Sein Irrweg war geprägt durch ständige Schuldzuweisungen, blindem Hass und brutaler Gewalt. Im Gefängnis erlebte er schwarze Mitgefangene, die sich von einer anderen Seite zeigten, das wahre Gesicht der zunächst gleichgesinnten und weißen Befürwortern von Gewalt, die ihn als Verräter ihrer Ideologie unter der Dusche vergewaltigten. Sein Studium der Bücher, die Freundschaft zu einem Schwarzen halfen ihm diese Zeit zu überstehen und als Geläuterten das Gefängnis zu verlassen. Nach seiner Entlassung sieht er die Rettung seines Bruders als persönliche Hauptaufgabe an. Die Ansichten, die Danny nunmehr mehrere Jahre indoktriniert bekommen hat, lassen sich jedoch mit Dereks eigener Vergangenheit nur schwer und langsam ändern.
Der Film ist abwechslungsreich und fügt sich am Ende zu einem großen, beeindruckenden Gesamtkunstwerk zusammen, ohne das der Zuschauer bis dahin auch nur einen Moment den Bezug zum Film verloren hat.
Als einzige Kritik ist die in vielen amerikanischen Produktionen verbreitete Ansicht zu nennen, das der Knast aus bösen Menschen, gute macht. Dieses erscheint mir persönlich etwas zu gewagt, ist aber der einzige negative Kritikpunkt an dem ganzen Film.
Der Schluss ist offen und vermittelt, das man seiner Vergangenheit und der Verantwortung seiner Handlung nicht entkommen kann. Ohne etwas vorwegzunehmen, bleibt offen und soll offen bleiben, wie Derek mit der Situation umgeht.


Onyourscreen.de–Fazit zu American History X


Der Film macht es den Zuschauern leicht, sich in die Köpfe der Protagonisten zu versezten. Man erlebt, wie es ist, in der Familie zu leben und alles zu verlieren, woran man geglaubt hat. Eine wirklich grausame Erfahrung, die ebenso grausam auch umgesetzt wurde. Edward Norton brilliert hier in der wohl überzeugendsten Rolle seiner bisherigen Karriere, für die er mit einem Oscar belohnt wurde.
Die schockierende Darstellung der Ereignisse ist nichts für schwache Nerven, aber die gesamte Inszenierung des Geschehens und die Verarbeitung des Themas ist einfach grandios. Nicht umsonst wird diskutiert, diesen Film als Pflichtlektüre in deutschen Oberstufen zu zeigen. Prädikat höchst wertvoll!

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© Text: onyourscreen.de / AM


 
 
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