Am Ende kommen Touristen
Artikel vom 14.03.2011 | Heimkino->DVD

AM ENDE KOMMEN TOURISTEN



Eine Liebesgeschichte aus dem neuen Europa


Kein Zeigefinger-Kino, sondern ein Film mit bewegenden Momenten über Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen von Menschen, die ein Erbe verwalten müssen, das sie nicht gewollt haben und trotzdem versuchen, ihre Normalität zu wahren.



Mediafacts
Am Ende kommen Touristen
Cover: Am Ende kommen Touristen
Titel: Am Ende kommen Touristen
Originaltitel: Am Ende kommen Touristen
getestete Version: DVD
Cast: Alexander Fehling, Ryszard Ronczewski, Barbara Wysocka, Lena Stolze
Regie: Robert Thalheim
Produktionsland: Deutschland
Studio/Verleih: Warner Home Video - DVD
DVD-Release: 2008
Produktionsjahr: 2007
Spieldauer: 85 Minuten
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Kurze Inhaltswiedergabe


Zivildienst in einer Begegnungsstätte in Polen? Das stand auf Svens Wunschliste nicht ganz oben. Der 19-jährige Wehrdienstverweigerer will seinen Zivildienst in Amsterdam ableisten, findet aber nur im polnischen Städtchen Oswiecim eine Stelle. Unter dem deutschen Namen Auschwitz wurde es als größtes deutsches Vernichtungslager zum Symbol für den Holocaust. In der Internationalen Begegnungsstätte soll er seinen Ersatzdienst 12 Monate ableisten. Angekommen in der Gemeinde, findet sich der junge Mann an jenem Ort wieder, dessen Name in der Welt zum Symbol für den nationalsozialistischen Völkermord geworden ist. Neben seiner Arbeit an der Gedenkstätte soll sich Sven auch um den KZ-Überlebenden Stanislaw Krzeminski kümmern, der von dem jungen Deutschen, der in jedes Fettnäpfchen tritt, nicht gerade begeistert ist und ihn das auch deutlich spüren lässt. Die Eingewöhnung fällt dem jungen Mann, sowohl beruflich als auch privat nicht leicht. Mit der fremden Sprache und der historischen Bedeutung des Ortes konfrontiert, und auch mit der eingespielten Routine der Vergangenheitsbewältigung tut er sich schwer. Als Deutscher sind Hass und Vorurteile wegen der Vergangenheit allgegenwärtig. Zusätzlich zu den beruflichen Anfangsschwierigkeiten fällt es Sven privat schwer, Kontakte zu den einheimischen Jugendlichen herzustellen. Erst als Sven die polnische Dolmetscherin Ania kennen lernt, eröffnet sich ihm eine Welt außerhalb der Gedenkstätte. Die beiden verlieben sich und mit Anias Hilfe wird er langsam in das Leben der polnischen Stadt hineingezogen.

Doch wie sieht ein normales Leben an einem Ort aus, an dem nichts normal ist?


Vorurteile und Tabus auf der einen Seite und Gedänkstätten-Tourismus auf der anderen Seite, lauern hier allgegenwärtig. Als Ania sich für ein Stipendium in Brüssel bewirbt, beschließt Sven alles hinzuschmeißen. Mit gepackten Koffern steht er am Bahnhof und sieht wie jeden Tag die Touristen kommen und muss sich nun entscheiden.

In Am Ende kommen Touristen webt der Regisseur Robert Tahlheim zahlreiche Geschichten zu einem Teppich, die das schwierige deutsch-polnische Verhältnis beleuchten. Zugunsten der Geschichte wurde auf spektakuläre Kamerafahrten und Effekte verzichtet und die Optik realistisch gestaltet. Technische Spielereien wären hier gar nicht nötig gewesen, denn der Ort strahlt eine Emotionalität aus, die man nicht weiter unterstreichen muss. Der Spielfilm reflektiert in seinem dokumentarischen Charakter sowohl die Konfrontation Svens als auch die Sehnsüchte und Wünsche junger Deutscher und Polen in Europa. Der Film ist durchaus in der Lage, Aufmerksamkeit zu bekommen. Trotz des ruhigen Stils bleibt er eingängig interessant. Da es viele Werke gibt, die sich mit ähnlichem Inhalt beschäftigen, hat Thalheim den Blickpunkt in seinem Film komplett neu gelegt. Die Herangehensweise unterscheidet sich von jeden anderen Film, der sich mit der Thematik beschäftigt. Ein junger Mensch, der mit dem zweiten Weltkrieg nicht zu tun hat, kommt in die alte Welt, die nach mehr als 60 Jahren immer noch ihre Wunden leckt. Doch dazu muss er für diese Menschen da sein und ihnen dienen. Die Produktion mit der schweren Materie wird hier bewusst und wird verantwortungsvoll bearbeitet. Ein tief gehender Film, der nachhaltig wirkt und trotz seiner ruhigen Passagen eine Geschichte auf seine Weise erzählt.

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“Zeigen sie den Touristen doch Schindlers Liste, das macht mehr Eindruck”


In einer prägenden Szene sagt der ehemalige Auschwitz-Häftling Krzeminski diesen Satz zu Sven. Dies ist keine einfache Äußerung, sondern gehört zu dem Konzept eines Kontrastprogramms gegen die melodramatische Konkurrenz aus Hollywood. Am Ende kommen Touristen ist kein Film über Auschwitz, sondern ein Film nach Auschwitz. Er taucht in das alltägliche Leben der polnischen Stadt zwischen Tourismus und Normalität und in die Heimat von 40.000 Einwohnern ein.
Ein interessanter Film, mit guten Ideen, guter Besetzung und jeder Menge Potential. Etwas zu bemängeln wäre höchstens die Handlung, die vorhanden ist, aber sich kaum weiterentwickelt. Die Charaktere entwickeln und ändern sich, dieses wirkt aber beinahe willkürlich. Dem Film fehlt eine Begrenzung, ein Rahmen, der einem hilft ihn einzuordnen. Aber die historischen Standorte und glaubhaften Angehörige, sogar die vorüberziehenden Touristen geben dem Film eine tiefe Atmosphäre und eine Authentizität.



Onyourscreen.de Fazit zu Am Ende kommen Touristen


Das wirkungsvolle Drama setzt sich mit der schwierigen Vergangenheitsbewältigung und mit der polnisch-deutschen Beziehung auseinander. Tahlheim ist ein facettenreicher Film über den Optimismus der Jugend im neuen Europa gelungen, über die Sehnsüchte und Ängste und über die Toleranz und den Respekt. Ein angenehm stiller und leichter Film über den Umgang mit dem Holocaust und seiner touristischen Vermarktung.

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© Text: onyourscreen.de / AM


 
 
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