alan smithee
Artikel vom 20.02.2012 | Themen

Alan Smithee, Alan Smythee oder neuerdings Thomas Lee



Hollywood hat immer eine Lösung


Tagtäglich wurden und werden Filme gedreht, überall auf dieser Welt und nur wenige kamen und kommen in die engere Auswahl für wirklich ausgezeichnete Filme. Zwangsläufig darf man also davon ausgehen, dass die übrigen oft mittelmäßig bis grausam sind. Aber das ist auch kein Wunder. Schließlich gibt es ja auch mehr schlechte Romane als gute, im Fußball mehr Absteiger als Meister und überhaupt mehr schlechte Menschen als herzensgute Samariter. Dumm ist nur, dass niemand die schlechten Romane geschrieben, die Absteiger trainiert und die Bösewichte gemacht haben will.



Hollywood hat dafür ein praktikabele Lösung. Denn Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn es nicht für jedes Problem die richtige Antwort parat hätte, ob es sich jetzt dabei um persönliche Dramen oder weltbedrohende Katastrophen handelt. Denn wenn man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erst einmal irgendwelchen Mist gebaut hat, dann gehört es zum guten Ton, einem Fremden die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Und auch wenn es sich so anhört, ist nicht die Rede von amerikanischer Außenpolitik sondern immer noch vom Filmgeschäft.
Ein Beispiel: Man stelle sich also vor, man sei ein Regisseur, der einen Job angeboten bekommt. Und bei diesem Job ginge es darum, einen Pilotfilm zu einer Serie zu drehen, die den schönen Titel "MacGyver" tragen soll. Vielleicht würde man zunächst vermuten, es handele sich dabei um eine Geschichte des MacGyver-Clans, der im schottischen Hochland lebt und sich mit illegalem Whiskyhandel über Wasser hält. Großartige Möglichkeiten. Natur, Whisky, Schottenröcke. Das wäre der erste Schritt zu Ruhm und Ehre. Dann aber würde man erfahren, dass es sich bei "MacGyver" um einen Typen handelt, der aus den haltlosesten Gründen in Situationen gerät, aus denen er sich ausschließlich mit Hilfe eines Kaugummis, einer Tennissocke oder einer Zahnspange befreien muss. Erst würde man glauben, man werde auf den Arm genommen. Dann aber müsste man einsehen, dass hier nicht gespaßt wird.

Ich war es nicht, ehrlich.


Einige Wochen später hat man dann den Pilot im Kasten und versucht, die Schande dieses Schrottfilms irgendwie loszuwerden. Stundenlanges Duschen, ein Besuch beim Psychologen und beim Pfarrer - nichts hilft. Mit Grausen denkt man an den Tag, da Freunde und Familie, Kollegen und ehemalige Mentoren sich "MacGyver" anschauen werden und lesen müssen: "directed by ..." Doch dann fällt es einem zum Glück wieder ein.

Der da war es, ehrlich.


Es lebe Hollywood! "Alan Smithee" ist der Schuldige. Er hat diesen Mist fabriziert - auch wenn er gar nicht existiert. Denn wenn Don Siegel, David Lynch und Dennis Hopper sich hinter diesem Namen verstecken können, dann kann das doch beinahe jeder. Man muss nur schnell einen Antrag bei der "Directors Guild of America" ausfüllen und beweisen, dass die Produzenten sich zu sehr eingemischt und sowieso alles ruiniert haben und man doch eigentlich etwas über Schottland drehen wollte. Und wenn bald darauf "MacGyver" im Fernsehen läuft, dann steht da tatsächlich: "directed by Alan Smithee" - und niemand muss sich schämen.

Genau so und oder ähnlich hat es sich auch auszugsweise bei folgenden Spezialisten zugetragen:
David Lynch war die Fernsehfassung von "Der Wüstenplanet" zu peinlich, Stuart Rosenberg wollte seinen Namen nicht für "Let’s Get Harry" hergeben. Dennis Hopper war "Catchfire" (berechtigterweise) zu schlecht um ihm seinen Namen zu leihen, auch Don Siegel sowie Robert Totten wollten den ihrigen nicht für "Death of a Gunfighter" hergeben. Wie bereits erwähnt führt auch der Pilot zur Serie "MacGyver" good-old Alan Smithee als Regisseur. Übrigens gilt Alan Smithee eh als sehr umtriebiger Serienschreiber und -Regisseur. Wer mehr entdecken will, dem sei folgende Liste auf IMDb empfohlen: Alan Smithee, The World's Lousiest Director; The Scapegoat

Neuerdings, sprich seit 2000, empfiehlt die "Directors Guild of America" übrigens "Thomas Lee" für solche Fälle - was aber weder oft praktiziert wird und auch eher suboptimal scheint, das muss ja zu Verwechslungen führen. Woher der Name "Alan Smithee" kommt, sollte noch kurz erklärt werden. Nun, eigentlich ist es nur ein Anagramm für "The Alias Men" - und das passt doch hervorragend. Ist das nicht auch ein B-Movie-Titel?


© Text: onyourscreen.de / TA/AS

 

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