Across the River © Marctropolis
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Artikel vom 02.05.2014 | Echtes Kino

Across the River



Minimalistisch aber maximal gruselig


Across the River © Marctropolis
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Plakat: Across the River
Wenn man als Filmschaffender nahezu ausschließlich auf sein Talent, eigene Ideen und Kreativität angewiesen ist, dann kann es vorkommen, dass demjenigen etwas sehr aussergewöhnliches gelingt. Sehr außergewöhnlich, seltsam spannend und atmosphärisch ungemein fesselnd kommt Across the River daher, der intelligente Gruselfilm des Italieners Lorenzo Bianchini, der in den nächsten Tagen in ausgewählten Kinos anläuft - eine Liste der naturgemäß nicht so üppig vielen Spielorte und Termine findet ihr hier www.acrosstheriver-film.de unter "cinema".

Filmkurzbeschreibung


Marco (Marco Marchese), Natur- und Tierverhaltensforscher, erreicht bei einer seiner einsamen Touren die dunklen und stark bewaldeten Grenzgebiete zwischen Italien und Slowenien. Um animalische Verhaltensweisen zu dokumentieren und zu analysieren, verwendet er Foto- und Filmfallen sowie an Tieren befestigte Digicams. Immer wieder wertet er das Material aus und stößt dabei auf merkwürdige Fehlbilder und Merkwürdigkeiten. Auch die an einem Fuchs befestigte Cam gibt ihm rätselhafte Bilder preis. Unbeirrt folgt er seinem Forscherdrang, der ihn tiefer und tiefer in die abgelegenen und düsteren Wälder führt. Ein Fluss bildet die letzte natürliche Barriere und Marco sieht keinen anderen Weg, diesen mit seinem alternden Wohnmobil zu überqueren, damit er seine Arbeit beenden kann. Immer häufiger kommt es jetzt zu bizarren Filmsequenzen, die die Trophäenkameras ablichten. Getrieben von der eigenen Neugier, entdeckt Marco ein scheinbar fluchtartig verlassenes Bergdorf, das in seinen Ruinen und Gemäuern ein entsetzliches Geheimnis bewahrt.


Das meint onyourscreen.de zum Film


Lorenzo Bianchini durfte bereits mit seinen Kurzfilmen aber auch den Langfilmen Square root of three und Eyes beachtliche Erfolge feiern. Die Einflüsse der Genregrößen Fulci, Argento und Bava verheimlicht er nicht - und auch in seinem neuesten Werk Across the River spürt man die Macht der Väter des alten italienischen Horrorfilms. Überhaupt muss Bianchini einige Genrevertreter gesehen haben, denn sein ganz eigener Stil gründet sich auf vielen klassischen, wiedererkennbaren Versatzstücken der großen Gruselfilme, ohne das er sie gedankenlos kopiert. Im Gegenteil, Across the River versprüht eine ganz eigene Aura der Spannung - allerdings ohne das tatsächlich viel passiert, denn im Grunde verliert nur ein einsamer Mensch in der Wildnis so nach und nach seinen Verstand. Doch: das ist bedrückend, beängstigend, beunruhigend. Die extrem minimalistische Herangehensweise, sicherlich Teil der Philosophie aber ebenso sicher dem fehlenden Budget geschuldet, mischt sich mit modernem Footage-Kino und verteufelt gut passenden Drehorten. Die teils verspielten Kameraeinstellungen machen die One-Man-Show auch optisch interessant. Dazu spielt Bianchini fotographisch konstant mit dem Thema Wasser: der überquerte Fluß, das Nachthemd in den Fluten, der ewige Regen, Wassertropfen auf das Nachtlager des Protagonisten, stetige Bilder von gefüllten Gläsern, Blicke durch vom kühlen Nass bizarr verzehrte Glassscheiben. Ein fasst schon übertrieben, aber absolut nicht störend angewandtes narratives Mittel, das den Zuseher die Grundlage der bösen Story erahnen lässt. Wenn irgendwas in dem Film tatsächlich stört, dann sind es die eher dilettantisch hinzugefügten "Wir erläutern dann mal für die Doofen die Geschichte"-Szenen eines alten Mannes und seiner Frau ... hier hätte Lorenzo Bianchini selbstbewusster zu seiner sonstigen Erzählweise stehen sollen, die Szenen hätte es nicht gebraucht.

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  • Across the River<br>© Marctropolis
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Das onyourscreen.de-Fazit zu ACROSS THE RIVER


Was Lorenzo Bianchini in seinem Across the River an wabbernder, nicht greifbarer Spannung produziert, ist beachtlich - getreu dem Motto: Minimales Budget - maximale Suspense. Seinen fast kammerspielartigen Mix aus viel klassisch gefilmten und ein wenig Found Footage-Material darf man, dank "Drop-Out Cinema", ab dem 08.05.2014 in ausgesuchten Kinos bewundern (Termine s.u.). Das noch junge Label "Marctropolis" bringt den Gruseler dazu ab dem 18.07.2014 auch auf DVD und Blu-ray in die heimischen Wohnzimmer. Wer allerdings die Möglichkeit hat, das "Creepy Movie" in einem dunklen Kino zu sehen, der sollte das unbedingt tun. Wir sind uns sicher, dass Across the River dadurch nochmal mehr an unheimlicher Atmosphäre hinzugewinnt.
Übrigens: Generische Popcorn-Kinobesucher sollten über eine gewisse Offenheit gegenüber dem Andersartigen verfügen, mit dem üblichen Grusel-Kino-Einerlei hat der Independent-Film wenig gemein ... die fast schon arthausige Horrorästhetik fordert Aufgeschlossenheit und Aufmerksamkeit.

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  • Foxes<br>© Marctropolis
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Freunde des in der Kinoneuzeit nahezu vergessenen Vorfilm, dürfen sich zudem im Rahmen der italienischen Produktion auf eine Wiederbelebung dieser cineastischen Tradition freuen. Der ungewöhnliche Kurzfilm Foxes passt perfekt zum großen Bruder.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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