Artikel vom 11.12.2010 | Heimkino->DVD

Explosives, aber seichtes Manöver



Das A-Team-Remake im Kreuzfeuer


Serienfans sowie Cineasten hatten sich auf die gute Nachricht gefreut. Ein filmisches Remake einer Kult-Serie, die eine der erfolgreichsten der vergangenen TV-Geschichte ist und deren Wiederholungen auch heute noch im TV rauf und runter laufen: das A-Team.
Doch um es vorweg zu nehmen, Fans hatten sich von einer Neuauflage der Serie sicherlich mehr erhofft. Kult allein reicht in manchen Fällen einfach nicht aus, um daraus auch ein gutes Remake zu produzieren. Colonel John „Hannibal“ Smith und seine Gefolgschaft – bestehend aus Templeton "Faceman" Peck, "Howling Mad" Murdock und B.A. Baracus – begeisterten ihre Anhängerschaft in den 1980er mit einer guten Mischung aus Action, jeder Menge Gags und einem beeindruckenden Improvisationstalent, mit dem sie sich aus schwierigen Lagen manövrierten.

Mediafacts
Cover: Das A-Team - Der Film
Titel: Das A-Team - Der Film
Originaltitel: The A-Team
Cast: Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel
Regie: Joe Carnahan
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Erscheinungstermin: 2010
Produktionsjahr: 2010
Spieldauer: 129 Minuten
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Viel Action, wenig Unterhaltung


Klar, dass auch der Film, dessen Handlung vor der der Serie spielt, mit jeder Menge Action aufwartet. Doch während die Serie von einfacher aber stilsicherer Action lebt, hier eine Prügelszene bei der die Fäuste fliegen, da ein außer Gefecht gesetztes Fahrzeug, und dort ein paar Maschinengewehrsalven (die fast immer im Nichts verpuffen), hemmt hingegen die überzogene Action des 2010er-Films die Erzählung. Die Protagonisten schlittern von einer Explosion zur nächsten und so dümpelt auch die Story zwischen den Actionszenen vor sich hin. Mit dem Original hat das Ganze nur noch wenig zu tun, denn auch die eigentlich hochkarätigen Schauspieler wie Liam Neeson (Hannibal) oder Bradley Cooper (Faceman) brillieren nicht gerade. Wer auf seichte Unterhaltung gepaart mit unrealistischen und aufgesetzten Actionszenen steht, wie sie mittlerweile in vielen Hollywood-Produktionen vorkommen, der ist hier wohl dennoch bestens bedient. Durfte man die Serie schon nicht so ernst nehmen, so erst recht nicht diesen Film!

Andersartige Charaktere


Was die Schauspielercharaktere betrifft, erwartet man nicht unbedingt einen billigen Abklatsch beziehungsweise eine 1:1-Kopie. Die Rollen dürfen gerne ein wenig an die neuen, andersartigen Schauspieler angepasst sein. Doch allzu weite Entfernung vom Ursprung verleiht dem Ganzen eine sehr aufgezwungene, unauthentische Note. Im Falle des Remakes bedeutet dies vor allem, dass der Versuch missglückte, die Rollen der ursprünglichen Hauptakteure allein mit ähnlich aussehenden Schauspielern zu besetzen. Vor allem Quinton Jackson als „artiger“ B.A. Baracus kann mit dem Original nicht mithalten. Die Rolle des Baracus, der in der Serie als launisches Muskelpaket auftritt (daher auch der Name B.A. „Bad Attitude“), wird im Film, dadurch dass er der Gewalt abgeschworen hat, fast schon persifliert. Auch der neue Faceman wirkt wie das ganze Spektakel ein wenig überdreht. Er trauert wehmütig seiner Ex-Geliebten Charisa Sosa, gespielt von Jessica Biel (wenigstens was fürs Auge) hinterher. Der gute alte Templeton Peck, der Gentleman, Schönling und Hochstapler der vier Selbstjustizler, würde in der Serie ohne große Umschweife mit einer anderen Dame seiner Wahl anbändeln. Im Film mimt Charisa Sosa auch noch die neue Verfolgerin des A-Teams. Colonel Decker, der die vier Söldner einst über viele Episoden der Serie jagte, wurde wohl leider außer Dienst gestellt. Auch der sonst so ideenreiche Colonel Hannibal Smith wirkt beim Remake hin und wieder ein wenig planlos. Einzig und allein der neue Murdock stellt einen der wenigen Lichtblicke der neuen A-Team-Generation dar. Nun, die Geschmäcker sind verschieden und daher bleibt es wohl jedem selbst vorbehalten, ob ihm diese moderne Fassung des A-Teams überzeugt oder nicht.

Trailer A-Team

Ich habe (k)einen Plan!


Meinem Empfinden nach kann der Film nicht mit der Serie mithalten. Der Erfolg der Reihe war sicherlich auch durch die herausragenden Schauspieler begründet. Sie verkörperten Kult. Das Remake gereicht zu dieser Ehre leider nicht. Auch wenn man den Film losgelöst von der Serie betrachtet, fällt es schwer, die schlecht erzählte Geschichte vergessen zu machen oder über die vielen Fehler in örtlichen oder geschichtlichen Zusammenhängen hinwegzusehen. Die Amerikaner haben offenbar noch Nachholbedarf bei der Ortskenntnis von „Alt-Europa“: Grobe Fehler wie den Kölner Dom in der Mainmetropole Frankfurt oder die Verwechslung von Autokennzeichen verzeiht nicht jeder kritische Fan. Auf der einen Seite möchte man als Fan der 1980-Serie über Kleinigkeiten hinwegsehen, auf der anderen Seite wiegen manche Fehler schwer und die Abweichungen von der Serie kann man nur schwer gutheißen. Die Story birgt wenig Spannung und die Dialoge werden auch noch vielfach vom Lärm der Explosionen übertönt. So reicht es für das A-Team Remake von 2010 nur zum Mittelmaß. Da wird auch der Extended Cut (unter anderem mit Gastauftritt von Facemen-Original Dirk Benedict) nicht mehr viel rausreißen können.

Fazit: Für anspruchslose Actionliebhaber bietet der Film einige nette Sequenzen, doch im Vergleich mit der Serie hinken vor allem die Schauspieler den Erwartungen hinterher. Zwei Stunden explosive, aber seichte Unterhaltung – mehr wird nicht geboten. Wer sein Geld wirklich angemessen ausgeben will, der sollte meines Erachtens doch lieber zur Original-Serie greifen.


© Text: onyourscreen.de / SN


Schlagwörter: action abenteuer tv a-team


 
 
© Universal

© 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA - GANTZ Partners