Artikel vom 04.06.2016 | Heimkino->Blu-Ray

Schock



Science Fiction à la Hammer


Mit Das grüne Blut der Dämonen (OYS-Review) startete der hochgeschätze deutsche Distributor Anolis im Jahr 2013 seine Hammer Blu-ray Edition. Damals durften wir Professor Quatermass in den Londoner U-Bahnhof Hobbs End begleiten, in dem bei Bauarbeiten neben Knochen und Schädel einer noch nicht bekannten menschlichen Rasse auch ein seltsames metallisches Objekt gefunden wurde. Nun, mit der bereits elften Veröffentlichung aus der großartigen Hammer-Edition, dürfen wir erneut ein Quatermass-Abenteuer begleiten - ab dem 03. Juni 2016 wird Schock als limitiertes Mediabook in zwei Covervarianten und als Softbox im Handel erhältlich sein.

Mediafacts
 © Anolis Entertainment
Schock, Blu-ray Softbox
Titel: Schock
Originaltitel: The Quatermass Xperiment
aka: The Quatermass Experiment
aka: The Creeping Unknown
getestete Version: Blu-ray
Cast: Brian Donlevy, Jack Warner, Richard Wordsworth, Margia Dean
Regie: Val Guest
Produktionsland: UK
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2016
Produktionsjahr: 1955
Spieldauer: 85 Minuten
Sprache: Deutsch (DTS-HD 2.0 Mono), Englisch (DTS-HD 2.0 Mono)
Regioncode: 2
FSK: ab 12 J

Filmkurzbeschreibung


Professor Bernard Quatermass wird nach Berkshire gerufen, denn dort ist die von ihm und der britischen Raumfahrtbehörde initiierte Rakete notgelandet. Trotz der Risiken verschaffen sich die Experten Zugang zum havarierten Raumschiff, finden dort aber statt den drei Astronauten nur einen vor. Victor Carroon ist komplett paralysiert, steht unter Schock ... warum die Notlandung eingeleitet wurde und warum in den leeren Raumanzügen seiner Mit-Astronauten nur noch eine seltsame Maße vorzufinden ist, können die Experten nicht aus Carroon herausbekommen - die Aufzeichnungen aus dem Inneren der Raumkapsel geben allerdings erste Hinweise.
Während den Ermittlungen entflieht Carroon aus dem Krankenhaus, fängt an auf seltsame Art Dinge zu absorbieren, mutiert zusehends und wird zur Gefahr für Tier und Mensch. Recht bald ahnen Professor Quatermass und Inspektor Lomax in welcher Gefahr die Menschheit sich tatsächlich befindet ...

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Gleich dreimal griff Hammer auf die Kunstfigur des Wissenschaftlers Professor Bernard Quatermass zurück. Der Main character der höchst erfolgreichen, sechsteiligen BBC-Science-Fiction-TV-Serie Quatermass aus der Feder von Nigel Kneale, inspirierte Hammer zu einer Kinoversion der ersten Folge. Den Titel The Quatermass Experiment behielt man mit The Quatermass Xperiment nahezu bei, hierzulande wurde der Film vorwiegend unter dem Titel Schock vermarktet. Mit dem ebenso noch in Schwarz-weiss produzierten Feinde aus dem Nichts (OT: Quatermass 2) nur zwei Jahre später und Das grüne Blut der Dämonen (OT: Quatermass and the Pit) aus dem Jahr 1967 folgten die beiden weiteren Abenteuer um den Raketenwissenschaftler.

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Das noch menschliche Monster auf der Flucht

Schock ist düster und verbreitet auch heutzutage noch eine durchaus bedrohliche, recht strange Atmosphäre. Damals, 1955, dürfte der Streifen die Kinogänger allerdings um einiges mehr ge"schockt" haben, wenn auch der hier vorliegende "Schrecken" lange Zeit gestaltlos bleibt. Die nicht greifbare Macht, die die zwei Raumfahrer getötet und Victor Carroon erfasst hat und anschließend die Menschheit bedroht, darf man wohl eindeutig als Sinnbild für die Bedrohungen des nach dem 2. Weltkrieg wiedererlangten Frieden verstehen. Das Unterwandern der Heimat durch feindliche Subjekte drohte damals ja, auch wenn die "heißen Phasen" des Kalten Kriegs mit der Berlin Blockade bereits in der Vergangenheit, mit der Kuba-Krise noch in der Zukunft lagen. So wirkt auch Quatermass (Brian Donlevy) nicht direkt wie ein typischer Filmheld, sondern mehr wie ein kühl kalkulierender Protagonist, der durchaus bereit ist für seine Experimente Risiken einzugehen. Der die polizeiliche Emittlung leitende Inspektor Lomax (Jack Warner) wirkt zwar schon ein wenig zugänglicher, ist aber genausowenig ein typischer Sympathieträger. Interessanterweise macht man sich recht lange Zeit eher um den der gestaltlosen Macht anheimgefallenen Carroon Sorgen. Dieser, dummerweise von seiner besorgten Gattin aus dem bewachten Krankenhaus befreit, wankt Pflanzen, Tier und Mensch absorbierend durch die Stadt. Nachdem sich Professor Quatermass in seinem Labor der tatsächlichen Gefahr bewusst wird, macht er sich gemeinsam mit der Polizei fieberhaft auf die Suche nach dem mittlerweile komplett mutierten Raumpiloten, der wie eine galertartige, tentakelige Masse Zuflucht in der Westminster Abbey sucht. Als Erstseher darf man hier dann auch durchaus erstaunt Parallellen zum drei Jahre später entstandenen Blob – Schrecken ohne Namen ziehen - möglicherweise haben sich dessen Macher vom in Schock vorliegenden wabernden Schrecken inspirieren lassen? Der Showdown gleicht dann fast einer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl - auch in diese vorletzte Szene darf man eine ganze Menge zeitgeistige Angst hineininterpretieren.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Bild aus Fotogalerie<br>© Anolis Entertainment
  • Bild aus Fotogalerie<br>© Anolis Entertainment
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  • Bild aus Fotogalerie<br>© Anolis Entertainment

Der typische Hammer-Filmfreund, eher an Gothic Horror, handfeste Monster, blutgierige Vampire, reissende Werwölfe und umherwandelnde Mumien gewöhnt, muss bei Schock natürlich Abstriche machen. Der Freund des klassischen Science Fiction-Stoffes dagegen wird seine helle Freude an dem vorliegenden Quatermass-Film haben, auch wenn der letzte der dreiteiligen Filmreihe - Das grüne Blut der Dämonen - der wohl noch einmal stärkere Film ist ...

Das meint Onyourscreen.de zur Blu-ray


Auch wenn der Audiokommentar der lebenden Legende Dr. Rolf Giesen (des Reviewers ziemlich abgegriffenes, erstes filmisches Fachwerk namens "Lexikon des phantastischen Films" stammt von 1987 (!) und besagtem Dr.) sich eher um das Gesamtwerk und die Geschichte von Hammer in den Bray und später Elstree Studios dreht, lässt sich diese historische Abhandlung wie immer sehr gut anhören. Untertitelt darf man einem Original-Audiokommentar von Marcus Hearn und Val Guest lauschen, dazu liegen das Featurette „From Reality to Science Fiction“, verschiedene Interviews mit Val Guest, der US-Trailer, ein Vergleich der US- und GB-Fassung des Films, die US-Titelsequenz, die Super-8-Fassung, der Comic, Filmprogramme und eine Bildergalerie vor. Wie immer darf sich der Filmfan gewiss sein, dass der gekaufte Anolis-Titel mit einem Höchstmass an Extra-Ausstattung ausgeliefert wird. Das Bild und Ton auch in bestmöglicher Abtastung vorliegen versteht sich von selbst. Wer schnell ist und noch eines der begehrten und wiedermal sehr schicken, limitierten Mediabooks ergattert, darf sich noch auf ein von Dr. Rolf Giessen und Uwe Sommerlad verfasstes, 28-seitiges Booklet zum Film freuen.


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Covervarianten von Schock

Das onyourscreen.de-Fazit zu SCHOCK


Eine Leitfigur bzw. einen Filmsympathen sucht man in Schock vergebens. Die ordentlich gruselig-düstere Story findet ihren Reiz eher in der großartigen Verkörperung des lange Zeit gestaltlosen Wesens, das sich als Bedrohung für die ganze Menschheit entpuppt. Val Guest inszenierte The Quatermass Xperiment clever um ein vermutlich nicht so üppiges Budget herum. Großartige Matte paintings, ordentliche Effekte und ein interessantes, ideenreich konstruiertes Monster spielen mit der Vorstellungskraft des Zusehers. Die Jagd nach dem hier zwar stummen, aber trotzdem unglaublich ausdrucksstarken Richard Wordsworth als von dem fremden Wesen übernommenen Victor Carroon, macht den Reiz des fast schon als "Tech noir" einzugruppierenden Schock aus.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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