3D on your screen
Artikel vom 30.04.2015 | Themen

3D on your screen



Die dritte Dimension: Kino, TV und Rummelplatz


Als der Kanadier James Cameron im Jahre 2009 mit Avatar Menschen auf der ganzen Welt mit dreidimensionalen Bildern auf einer Leinwand in Verzückung brachte, setzte er damit eine über 170 Jahre alte Tradition weiter fort, die bereits 1838 mit der Erfindung des Stereoskops durch den britischen Physiker Sir Charles Wheatstone seinen Anfang nahm. Der Gedanke, ein dreidimensionales Bild auf einer zweidimensionalen Fläche entstehen zu lassen, ist derweil sogar noch älter – bereits im antiken Griechenland versuchten sich Mathematiker wie Euklid an ihrer Berechnung.

Avatar Blu-ray und 3D Blu-ray © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox
Avatar Blu-ray und 3D-Blu-ray

3D-TECHNIK - Aktiv und Passiv
Die beiden heutzutage vorrangig in Kinos, Freizeitparks und sogar auch bei den heimischen Fernsehern genutzten, konkurrierenden 3D-Systeme unterscheiden sich technisch erheblich und haben auch verschiedene Vor- und Nachteile.

Bei der Polarisation werden die Bilder des Stereobildpaars jeweils in entgegengesetzt polarisiertem Licht ausgestrahlt. Es befinden sich dazu entsprechend versetzte Polarisationsfilter vor den Projektionsobjektiven und in den 3D-Brillen der Betrachter. Jedes der beiden Brillengläser lässt also nur das Licht durch, das für das jeweilige Auge bestimmt ist. Da eine normale weiße Leinwand das Licht zerstreuen und diese Bildkanaltrennung aufheben würde, ist für das Polarisations-verfahren eine Leinwand mit metallischer Beschichtung unabdingbar. Zwar kann man hier noch unter einer linearen und einer zirkularen Polarisation, welche vor allem eine größere Bewegungsfreiheit beim Betrachten der Bilder erlaubt, unterscheiden, aber dies würde sicherlich den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Im Gegensatz zu dem passiven Polarisationssystem steht das elektro-stereoskopische System, bei dem die Bildpaare jeweils abwechselnd auf eine Leinwand projiziert werden und der dreidimensionale Eindruck mit Hilfe von Shutter-Brillen erreicht wird. Diese Brillen verfügen über Gläser mit Flüssigkristallen, welche mit elektrischen Impulsen auf durchlässig oder nicht durchlässig gestellt werden können – auf diese Art und Weise werden das linke und das rechte Auge passend zur Projektion abgedunkelt.

Vergleicht man diese beiden Systeme miteinander, überwiegen bei der Projektion die Vorteile der passiven Polarisation für den Betreiber. Zum einen sind die Brillen günstiger in der Anschaffung und in der Pflege, da Shutter-Brillen aufgrund der eingebauten Batterien, des höheren Gewichts und einer gewissen Störanfälligkeit bei der Synchronisierung der Flüssigkristalle und des Projektors öfter Mehrkosten und Probleme verursachen können. Zum anderen bieten sie auch das farbechtere und kontrastreichere Bild im Vergleich zu ihren aktiven Konkurrenten. Dazu kommt, dass viele Betrachter das Bild im Polarisationsverfahren als ruhiger und angeneh-mer empfinden, da es hier kaum zu Doppelbildern kommt. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass die Investitionskosten für eine beschichtete Leinwand höher sind und das Bild unschärfer dargestellt wird.

Während sich bei einem heimischen 3D-Fernseher Vor- und Nachteile die Waage halten und beide Systeme je nach Hersteller präferiert werden, hat die Polarisationstechnik bei der Nutzung in einem Freizeitpark die Nase vorne, was sicherlich auch dem Kostenfaktor in Bezug auf die Brillen geschuldet sein dürfte.
Von der Entwiclung der ersten gezeichneten dreidimensionalen Bilder und deren Betrachtung mit Hilfe eines Stereoskops bis zum ersten abendfüllenden Spielfilm in 3D sollten aber noch etliche Jahrzehnte ins Land gehen. Erst 1922 erblickte dieser mit dem Titel The Power of Love in Los Angeles das Licht der Welt, genutzt wurde hier das anaglyphische Verfahren, bei dem Rot-Grün-Brillen zum Einsatz kamen. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus, die Begeisterung beim Publikum und bei der Kritik fiel eher dürftig aus, und so gab es nur noch eine einzige weitere Vorführung in New York. Da der Film heute als verschollen gilt, lassen sich auch kaum Rückschlüsse auf die Gründe des Misserfolgs ziehen.

Erst in den 1950er Jahren kehrte die dritte Dimension flächendeckend in die Kinos zurück und feierte einen kurzzeitigen Siegeszug. Nicht nur Filme wie Der Schrecken vom Amazonas oder Gefahr aus dem Weltall sorgten damals für die nötige Aufmerksamkeit – Alfred Hitchcock drehte Bei Anruf Mord ebenfalls in 3D, und auch John Wayne war bei Hondo zum ersten Mal plastisch zu sehen. Leider war dieser Boom nicht von langer Dauer: So schnell 3D-Filme plötzlich angesagt waren, so schnell waren sie auch wieder aus dem Fokus Hollywoods verschwunden. Gerade einmal zwei Jahre dauerte der neue Trend, bevor die Studios sich aufgrund der hohen Kosten durch die doppelte Menge an verbrauchtem Zelluloid wieder von der Technik trennten.

Das grundsätzliche Interesse an dreidimensionalen Bewegtbildern war hingegen endgültig geweckt und wurde im Laufe der Jahrzehnte verstärkt auf Rummelplätzen oder in Freizeitparks befriedigt – wobei es sich um Kurz- oder auch Gimmickfilme handelte, die ganz besonders auf den Effekt der Pop-Outs, also des Herausragens von Gegenständen aus der Leinwand hinein in den Raum, setzten. Um die Wirkung zu erhöhen, wurden die Filme schon bald mit zusätzlichen Effekten unterstützt - sich bewegende Sitze, Luft- oder Wassereffekte oder gar die Kombination mit Simulatoren machten aus 3D schon bald ein werbeträchtiges 4D. Als erster Film dieser Art gilt The Sensorium aus dem Jahre 1984, der in "Six Flags Power Plant", Baltimore, mit vibrierenden Sitzen und zum Geschehen auf der Leinwand passenden Duftstoffen eine neue Ära einläutete.

Zuschauer beim Ansehen eines 3D-Films während des Festival of Britain 1951 in London 
 © „The National Archives UK - WORK 25-208“ von The National Archives UK - Flickr: The Fifties in 3D. L
© „The National Archives UK - WORK 25-208“ von The National Archives UK - Flickr: The Fifties in 3D. L
Zuschauer beim Ansehen eines 3D-Films während des Festival of Britain 1951 in London

Doch auch das Fernsehen sah in 3D ein Marketing-Instrument für höhere Einschaltquoten. So wurden regelmäßig Filme aus den 1950er Jahren im Anaglyph-Verfahren bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gezeigt – die passenden Rot-Grün-Brillen gab es zeitnah bei lokalen Optikern. Später gab es auch andere Experimente, um ein Pseudo-3D auf den Bildschirm zu bringen. RTL beispielsweise sendete die zweite Staffel seiner Erotik-Show "Tutti Frutti" Anfang der 1990er Jahre mit dem Hinweis aus, dass man die Strips mit Hilfe einer 3D-Brille so plastisch wie nie zuvor sehen könne – allerdings handelte es sich dabei nur um Aufnahmen, bei denen dank des Nuoptix-Verfahrens und gelben/violetten Farbfiltern eine optische Täuschung vorlag, die zwar einen räumlichen Eindruck hinterließ, aber mit echtem 3D nichts zu tun hatte.

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4D-Kino im Freizeit-Land Geiselwind

Dieses führt weiterhin ein Nischendasein in Freizeitparks oder in den bekannten IMAX-Kinos, die mit rund einstündigen Dokumentationen Besucher anlockten. Erst im Jahre 2009 wagten große Hollywood-Studios das Risiko, verstärkt Filme in 3D zu produzieren – Blockbuster wie Bolt, Ice Age 3 oder auch Disneys Weihnachtsgeschichte sorgten für ein stetiges Wachstum des Mediums. Trotzdem ist es sicherlich ein großes Stück weit James Camerons Avatar zu verdanken, dass Kinos die kostenintensiven Umbauten in den deutschen Filmsälen vornahmen, um sich ein Stück des prognostizierten Umsatzes mit der Welt von "Pandora" nicht entgehen zu lassen – welcher übrigens aktuell weltweit bei rund 2,8 Milliarden Dollar liegt. Heute ist 3D aus den Kinos nicht mehr wegzudenken, in immer mehr deutschen Haushalten stehen Fernseher, die mit 3D-Funktionen ausgestattet sind – ob es sich dabei wie in den 1950er Jahren erneut um einen kurzfristigen Trend handelt, wird die Zukunft zeigen. Allerdings stehen die Anzeichen eher dafür, dass der aktuelle Boom, der nun schon seit rund sechs Jahren anhält, weitaus nachhaltiger sein wird als in der Mitte des letzten Jahrhunderts.


© Text: onyourscreen.de / MV

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