3 from Hell © Studiocanal
© Studiocanal
Artikel vom 25.11.2019 | Heimkino->Blu-Ray

3 from Hell



Totgeglaubte leben länger


Was lange währt wird endlich gut, oder doch nicht? Lässt sich pauschal aus Sicht der Fans rund um Rob Zombies sympathisch erschaffenen "Firefly"-Clan nicht so leicht beantworten ... oder vielleicht doch? Immerhin: die nicht ganz so zivilisierten und privilegierten Rednecks um "Captain Spaulding", "Baby Firefly" und "Otis Driftwood", sind inzwischen schon manifestierte Größen des modernen Terrorkinos und haben einen durchaus berechtigten Kultstatus. Zu verdanken ist jener sicherlich in erster Linie Sid Haig, der als "Captain Spaulding" ein tragendes Fragment der Rob Zombie'schen "Firefly-Saga" bildet. Neben Sid Haig brillierten bisher natürlich Rob Zombies Ehefrau Sherry Moon und selbstverständlich Bill Moseley, der im Grunde das Clan-Oberhaupt alias "Otis Driftwood" symbolisiert.

3 from Hell © Studiocanal
© Studiocanal

Erstmalig eingeführt wurde "die Fireflys" in Rob Zombies Haus der 1000 Leichen, welcher 2003 das Licht der Welt erblickte und wie ein wilder Mix aus krudem Backwoodhorror und surrealer MTV-Ästhetik anmutete. Insbesondere das detailverliebte Setting und das Creature Design um den sagenumwobenen "Dr. Satan", der mit bürgerlichen Namen "S. Quentin Quale" im Willows County Mental Hospital chirurgisch nicht immer vorschriftsgemäß agiert, wussten zu überzeugen. Da Zombies Spielfilmdebüt recht erfolgreich startete, legte er mit seinem Magnus Opus The Devis Rejects im Jahre 2005 noch eine Schippe drauf und schuf mit seiner neuen Marschroute, weg vom klischeelastigen Backwoodhorror, ein dreckiges und inhaltlich sogar komplexes Roadmovie, welches wie eine Dampfwalze über die Zuschauer herfiel. Neben den alten Mitstreitern stellte er mit William Forsythe, Michael Berryman und Kane Fore noch einen amtlichen Cast zusammen, der das Zusammenspiel aller Protagonisten echt auf die Speerspitze trieb und aus TDR kurzum den „fast“ perfekten Rob Zombie-Film werden lies. Bildersprache, Setting und Score waren bis dato in keinem seiner Filme stimmiger und passender.
Fans forderten schon lange eine Fortsetzung, jedoch suggerierte der finale Showdown in The Devis Rejects ein Ende, dass die Sippschaft in dieser Konstellation, so nie wieder zusammen gefügt werden kann, da ein Ableben aller Protagonisten so gut wie sicher erschien ... fast!
Nach 14 Jahren war es dann endlich so weit. Der dritte im Bunde hört auf den klangvollen Namen 3 from Hell, welcher nun das finale Ende der "Firefy-Trilogie" einläutet. Weit im Vorfeld wurden die Erwartungshaltungen mit diversen Teasern und aufwändigen Teaserpostern künstlich nach oben gepusht, um dann im Jahre 2019 endlich die große Fanschar zu befriedigen. Doch der erste Einschnitt mag den ein oder anderen Fan „härter“ treffen als gedacht. Sid Haig, aka "Capt. Spaulding", ist nur als Gast im Sequel zu bewundern. Schon beim Casting war Rob Zombie klar und bewusst, dass Sid jene Rolle von seiner physischen Ausgangslage heraus, nicht mehr stemmen kann. Demzufolge hat er auch lediglich einen Cameo-Aufritt im Gefängnis, wo er einem Reporter in seiner charmanten Art und Weise das Rechtssystem näher bringt. Als zugegeben würdigen Ersatz, hat Zombie sich den inzwischen sehr etablierten Richard Brake ins Boot geholt, der hier als "Winslow Foxworth Coltrane" die Bruderrolle von "Otis Driftwood" übernimmt. Das wirkt anfangs etwas aufgesetzt, da jener zuvor nie in den vorherigen Teilen eine namentliche Erwähnung fand.


Der Film beginnt mit der kurzen Rückblende des finalen Showdowns und springt dann in jene Anschlussszenerie, wo die drei zerschossenen Protagonisten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Mit Chancen von 1:1.000000 überleben jene aber diese Tortour und warten seitdem auf ihre Urteilsverkündung im Gefängnis. Viele, etwas nervig anmutende Slowmotion Clips zeigen dann immer wieder einmal die Anhängerschaft der Fireflys, welche schon stark an die damalige „Manson“- Bewegung erinnert ... wobei die Figur "Otis Driftwood" ja ohnehin bereits die ein oder andere Parallele mit sich bringt. Da "Capt. Spaulding" noch im Gefängnis verstirbt, wird sein Charakter mehr oder weniger sang und klanglos aus dem etwas konzeptlos wirkenden Film gehievt und lediglich in einer Erinnerungssequenz gen Ende nochmals gewürdigt.
"Baby Firefly" (Sherry Moon) nervt während dessen ganz gewaltig mit ihrem „Overacting“ und zeigt deutlich, dass sie zwar durchaus in der Lage ist zu performen, ihre zu überdrehte Körpersprache jedoch den Zuseher nach spätestens zehn Minuten enorm abstumpft.
Richard Brake hingegen bringt den benötigten frischen Wind mit und schließt die Lücke die Sid Haig hinterlassen hatte perfekt. Die DIaloggefechte seines Charakters "Winslow Foxworth Coltrane" mit "Otis", die sich immer wieder damit aufziehen wer von Ihnen der wohl der Gefährlichere wäre, wissen zu gefallen. Zumal Brake nicht nur den Humor inne hat, sondern auch über die nötige Präsenz verfügt.

3 from Hell © Studiocanal
© Studiocanal
3 from Hell
Doch leider ist das Ganze dann weder „Fisch noch Fleisch“. Vieles wirkt episodenhaft und abgekupfert vom großen TDR. Zum einen gibts das Gefängnis , dann das Haus des Gefängnisdirektors, welches an die Sequenz des Motels im Prequel erinnert und dann noch eine kurze eigene Motelsequenz ohne inhaltlichen Mehrwert, sowie den finalen Showdown in Mexiko, der das quasi Grundkonstrukt des Films darstellt und auch der eigentliche Höhepunkt ist. Mit Pancho Moler hat man ab da noch einen echten Sympathieträger am Start, der in seiner Rolle als stiller Helfer der Firefly's überzeugt.
Das eigentliche Finale, welches ein sehr konstruierter und CGI-lastiger Racheakt ist, kann über die Distanz unterhalten und bietet die benötigten dreckigen Schauwerte, die wir von Rob Zombie lieben gelernt haben ... versiffte, verdreckte und kaputte Typen am Ende ihrer Existenz und ein übermächtiges Kartell, welches sich mit den Firefly's anlegt. All das haben wir aber schon weit besser und mit eher pragmatischeren Mitteln in einem The Devis Rejects gesehen. Zwar unterhält dies alles, sieht in Summe aber deutlich „günstig“ produzierter aus, als noch in den qualitativ hochwertigeren Vorgängern. Man hatte das Gefühl, dass der Film „irgendwie „ fertig werden musste und Rob Zombie lediglich eine Bringschuld offeriert, um den Fans dann eine abgespeckte Variante und einen Abschluss des Firefly-Universums zu zeigen.

3 From Hell ist beileibe nicht Rob Zombies schlechtester Film. Er hat durchweg seine Berechtigung und auch seine Momente sowie Atmosphäre. Neben Bill Moseley überzeugen Richard Brake aber auch Jeff Daniel Phillips als Gefängnisdirektor, während Sherry Moon mit ihrer zu überheblichen Präsenz deutlich nach hinten abfällt ... gottlob relativiert sich das wieder im Mexiko-Part des Films.

Für den Rob Zombie-Fan ist das alles aber ohnehin nicht relevant … der Fan weiss was ihn erwartet und wird auch 3 from Hell frenetisch abfeiern. Dennoch sei die konstruktive Kritik gestattet, dass dieser Teil gegenüber seinen Vorgängern optisch etwas abfällt und mitunter auch etwas „cheapy“ aussieht. Der Score hingegen ist wie immer gut gewählt und stimmig, ebenso wie einige blutige und visuell starke Gewaltausbrüche, die zwar nie „over the top“ sind, aber den Gorehound schon zufrieden stellen. Im Kino nicht ganz so geflashed, hat er mir bei der Zweitsichtung schon deutlich besser gefallen, wenn auch ein fader Beigeschmack bleibt ... denn offenbar schmeckt das Ganze dann doch nicht ganz so gut wie das gelungene Menü eines The Devis Rejects - aber ungenießbar ist 3 from Hell deshalb nicht, es fehlt halt nur etwas die Würze.

3 from Hell erschien ungekürzt als FSK 18-Version am 21.11.19 als DVD und Blu-ray bei Studiocanal. Als Extras zum 115 minütigen Filmspass kommen dann "Zur Hölle und zurück: Das Making of 3 From Hell", Trailer und ein Wendecover.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
© Anolis Entertainment

© ©Senri Akatsuki-SB Creative Corp./Undefeated Bahamut Partners ©SA-SBCr/UBP

© Anolis Entertainment

© Pandastorm

© Ascot Elite

© Wild Bunch Germany